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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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5. Kapitel. Die deutsche Miiuzreform. § 6.

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Silberumlauf durch einen Goldumlauf zu ersetzen. Die Frage, woherdas Gold, war durch die Kriegskostenentschädigung wenigstens teilweise gelöst; aber die Frage, wohin mit dem Silber, bestand in un-verminderter Schwere fort. Die Ergebnisse der Silbereinziehung habengezeigt, daß damals etwa 1530 Millionen Mark Silbergeld in Deutsch-land vorhanden waren; davon konnten bei der damaligen Bevölkerungnicht viel mehr als 450 Millionen Mark als Silberscheidemünzen bei-behalten werden. Der große Rest von etwa 1080 Millionen Mark war,den Intentionen der Reformgesetzgebung entsprechend, gegen Gold zuveräußern. Dieser Betrag stellte etwa 6 Millionen kg Silber dar,während die damalige Jahresproduktion von Silber sich auf etwa2 Millionen kg belief.

Bei der Abstoßung dieses Silberquantums hatte die Regierungkeine geringe Verantwortung; denn bei der gewaltigen Masse, um diees sich handelte, bedeutete der geringste Preisunterschied eine Differenzvon Millionen; schon in ihrem eigenen finanziellen Interesse mußtesich deshalb die Regierang davor hüten, durch ihre Verkäufe einenallzu starken Druck auf den Silbermarkt auszuüben.

Es ist deshalb begreiflich, daß die Reichsregierung nur zögerndmit den Silberverkäufen vorging.

Wäre die französische Milliardenzahlung nicht dazwischen ge-kommen, dann hätte die Regierung die Mittel zur Goldbeschaffung imwesentlichen aus den Erlösen der Silber Verkäufe beschaffen müssen;so aber konnte sie die Goldbeschaffung und -Ausprägung unabhängig vonden Silberverkäufen betreiben, und von dieser Möglichkeit wurde imgrößten Umfange Gebrauch gemacht. Nicht nur das effektiv eingehendeGold wurde in Reichsgoldmünzen umgeprägt, auch die übrigen Ein-gänge der Kontribution, Wechsel, Bankanweisungen nsw. wurden zueinem großen- Teile zum Ankaufe von Gold auf dem Londoner Marktebenutzt. Erst von 1875 an wurden die Goldankäufe ausschließlichaus den Mitteln bewirkt, die der Reichsregierung aus ihren Silber-verkäufen in London zuflössen.

Wie groß die damals vor sich gehende Verschiebung im inter-nationalen Goldumlaufe war, geht aus folgenden Zahlen hervor.

Das Reich hat aus der Kontribution fremde Goldmünzen im Be-trage von 220 Millionen Mark unmittelbar erhalten. Es hat fernerteilweise aus den übrigen Eingängen der Kontribution, teilweise ausden Erlösen der Silberverkäufe von 1871 bis 1879 für etwa 1260Millionen Mark Gold beschafft. In Summa hat es also in diesen neunJahren Ihr 1480 Millionen Mark Gold vom Auslande erhalten. Dazukam von 1875- an eine nicht unbeträchtliche private Goldeinfuhr. Biszum Schlüsse des Jahres 1879 waren Reichsgoldmünzen im Betrage von1719 Millionen Mark ausgeprägt, davon etwa 89 \li Millionen Mark