6. Kapitel. Die Ausbreitung der Goldwährung und die Silberentwertung. § 1. 183
äußerte. Der niederländische Handel wurde dadurch in seinen Kalku-lationen gestört, die großen Forderungen an das Ausland, die Holland besitzt, erschienen in niederländischem Gelde entwertet; und um diesemunerwünschten Zustande ein Ende zu machen, gab es nur ein Mittel, dieVerbindung der' holländischen Valuta mit dem Golde vermittelst derFreigabe der Goldprägung.
Unter dem Drucke dieser Notwendigkeit kam das Gesetz vom6. Juni 1875 zustande, das ein goldenes Zehnguldenstück schuf unddessen Ausprägung für private Rechnung gestattete. Die Silber-prägung, die bisher nur provisorisch gesperrt worden war, wurde durchein Gesetz vom 9. Dezember 1877 endgültig eingestellt. Das umlaufendeSilbergeld wurde jedoch nicht demonetisiert. Durch ein Gesetz vom27. April 1884 wurde der Regierung wenigstens die Befugnis erteilt,im Falle eines ungewöhnlichen Rückgangs der holländischen ValutaSilbergulden bis zum Betrage von 125 Millionen einzuschmelzen undgegen Gold zu verkaufen. Infolge der günstigen ZahlungsbilanzHollands hat sich der. Kurs des holländischen Geldes seither stets aufseiner Goldparität gehalten.
In Niederländisch-Indien wurde durch ein Gesetz vom 28. März 1877dieselbe Münzverfassung eingeführt, wie sie das Mutterlaud besaß.
Wenn auch durch diese Maßregeln kein Silbergeld eingezogenund auf den Markt gebracht wurde, so bedeutete doch die Einstellungder Silberprägungen für Holland und seine Kolonien eine weitere,nicht unerhebliche Einschränkung der Verwertungsgelegenheit für dasweiße Metall. —
Während die Niederlande durch die Notwendigkeit, ihre Valutagegenüber derjenigen der wichtigsten Handelsvölker stabil zu erhalten,halb gegen ihren Willen vom Silber zum Golde gedrängt wurden, voll-zog sich in den Vereinigten Staaten von Amerika die entschei-dende Wandlung ohne jeden derartigen äußeren Zwang.
Die amerikanische Union befand sich seit dem Bürgerkriege ineiner Papiergeld Wirtschaft; ihre Valuta war also ohnedies eine schwan-kende, und Änderungen in der metallischen Grundlage des Geldwesenswaren bis zur Herstellung der Barzahlungen ohne unmittelbare prak-tische Bedeutung. Auch während der Papiergeldperiode wurde jedochdas Gold in entschiedener Weise vor dem Silber bevorzugt; das Goldwar seit der Änderung des Doppelwährungssystems in den Jahren 1834und 1853 in der öffentlichen Auffassung immer mehr die Grundlagedes amerikanischen Geldwesens geworden, und als gegen Ende der60er Jahre die Beseitigung der Papiergeldwirtschaft ins Auge gefaßtwurde, dachte kaum mehr jemand an die Rückkehr zur Doppelwährung.
Im Jahre 1869 wurde im Schatzamte der Entwurf zu einer Re-vision sämtlicher Münzgesetze ausgearbeitet. In diesem Entwürfe