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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
185
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6. Kapitel. Die Ausbreitung der Goldwährung und die Silberentwertung. §1. 185*

das Wertverhältnis der beiden Metalle sich so stellte, daß eine Ver-drängung des französischen Goldumlaufs durch die frei ausprägbarensilbernen Fünffrankentaler nicht in Frage kam. Seit der Mitte dersechziger Jahre nun war gleichzeitig mit der Abnahme des Silber-bedarfs für Asien ein leichter Rückgang des Silberpreises eingetreten.Während noch im Juni 1866 auf dem Londoner Markte ein durchschnitt-liches Wertverhältnis von 1 : 15,19 bestand, näherte sich in der Folge-zeit das Wertverhältnis auf dem Markte immer mehr der Relation derfranzösischen Doppelwährung. Im Durchschnitt des Jahres 1867 wares bereits für das Silber etwas ungünstiger, als der französischen Relationentsprach (1 : 15,57), und das weiße Metall wurde von nun an wiederin größeren Beträgen zur französischen Münze gebracht. Während inden vier Jahren von 1863 bis 1866 insgesamt nur für wenig mehr als1 Million Frs. Silberkurant ausgemünzt worden war, stellten sich diePrägungen in den Jahren 1867 bis 1870 auf 259,6 Millionen Frs.; aller-dings überwogen auch in diesem Zeiträume die Goldprägungen mit828,2 Millionen Frs. die Silberprägungen noch ganz beträchtlich.

Infolge des Zwangskurses der Noten der Bank von Frankreich schrumpften die Prägungen sowohl von Gold als auch von Silber inden Jahren 1871 und 1872 stark zusammen; sie betrugen

Inzwischen war die Verschiebung im Wertverhältnisse der Edel-metalle zuungunsten des Silbers beträchtlicher geworden. Gegen Ende1872 betrug die nach dem Londoner Silberpreise berechnete Relation1: 15,85, und sie ging im dritten Quartal 1873 bis auf 1 :16.

Dadurch und durch den Rückgang des Agios auf Metallgeld inFrankreich begann die Ausprägung von Silber auf den Münzstättender Lateinischen Münzunion in hohem Grade lohnend zu werden. InFrankreich allein zeigte das Jahr 1S73, in dem überhaupt kein Goldgeprägt wurde, eine Ausmünzung von Silberkurant im Betrage von154,6 Millionen Frs., obwohl vom September an die Silberprägung keineunbeschränkte mehr war. In der ganzen Lateinischen Münzunion er-reichten die Silberprägungen in diesem Jahre den Betrag von308,5 Millionen Frs.

Damit war die mit dem Doppelwährungssysteme verbundene Gefahrder Umkehr zu einem überwiegenden Silberumlaufe plötzlich in die un-mittelbarste Nähe gerückt, und die Länder des Lateinischen Münzbundeswaren nunmehr zu einer Entscheidung darüber gezwungen, ob sie dieseWirkung ihres Währungssystems hinnehmen oder ihr Währungssystemder Erhaltung eines vorwiegenden Goldumlaufs opfern wollten.

18711S72

an Silberkurantgeld4 710905 Frs.389190

an Goldmünzen50169 880 Frs.