Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
214
Einzelbild herunterladen
 

214 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

vom monetären Standpunkte aus ansah, konnte selbst der stärksteSilberandrang keine gesetzgeberischen Maßregeln zur Aussperrung desSilbers hervorrufen.

Der tiefere Grund für die sogenannteDemonetisation" und für dieEntwertung des Silbers ist mithin zu suchen in einem Verdikte desVerkehrs über den Gebrauchswert des Silbers als Geldstoff. Nachdemaus dem Kreise der zahlreichen Güter, welche anfänglich als Geldfungiert hatten, die beiden Edelmetalle wegen ihrer besonderen Taug-lichkeit zu diesem Zwecke allein als Geldstoff übrig geblieben waren,nachdem Gold und Silber Jahrtausende lang neben einander Gelddienstegeleistet hatten, ist nunmehr innerhalb der Kulturwelt im Laufe einerkurzen Spanne Zeit der an Tauglichkeit zurückstehende dieser beidenStoffe von dem tauglicheren verdrängt worden, weil die Edelmetail-gewinuung plötzlich das tauglichere Metall der Kulturwelt in vielgrößeren Mengen zur Verfügung gestellt hat.

Die den Bedürfnissen des Verkehrs entsprechende Beschränkungdes Silbergeldes innerhalb des gesamten Geldumlaufs war gleichzeitig,wie im ersten Abschnitte dieses Buches dargestellt wurde, die Voraus-setzung für die Herstellung eines einheitlichen Geldsystems aus beidenEdelmetallen. Nur bei einer beschränkten Ausgabe von Silbermünzenist es möglich, dem Silbergeide einen von seinem eigenen Stoffe unab-hängigen, von dem Goldgelde abgeleiteten und dadurch mit dem Wertedes Metalles Gold verknüpften Wert beizulegen. So hat die Aus-dehnung der Goldwährung und die Beschränkung der Silberprägungnach zwei Seiten hin den Bedürfnissen des modernen GeldverkehrsRechnung getragen.