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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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Zweites Buch.

Theoretischer Teil.

I. Abschnitt Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

1. Kapitel. Der wirtschaftliche Begriff des Geldes.§ 1. Allgemeines Uber die Definition des Geldes.

Die Feststellung des Geldbegriffs galt von jeher als ein schwierigesProblem der theoretischen Nationalökonomie. So geläufig die Vor-stellung des Geldes ihrem allgemeinen Inhalte nach für jedermann ist,so schwer erscheint es, diese allgemeine Vorstellung in eine kurzeFormel zu fassen. Bei näherer Betrachtung stellt sich das Geld alsso vielgestaltig in seinen Erscheinungsformen und Funktionen dar, daßdas Gemeinsame und Wesentliche in dem großen Komplexe der Einzel-wahrnehmungen unterzugehen droht. So kommt es, daß wir zwareine große Anzahl von Definitionen des Geldes besitzen, aber keine,die allgemeine Anerkennung gefunden hätte.

Die meisten Definitionen des Geldes knüpfen nicht an die Sub-stanz des Geldes, sondern an seine Funktionen an, und das augen-scheinlich mit Recht. Denn das Geld ist, wie im historischen Teiledieses Buches -bereits dargestellt wurde, nicht ein Ding an sich,wenigstens nicht notwendig ein Ding an sich; vielmehr kann ein undderselbe Gegenstand Geld sein, soweit er innerhalb der Volkswirtschaftbestimmte Funktionen erfüllt, und er hört auf Geld zu sein, soweit erandere Funktionen erfüllt. Allerdings haben wir gesehen, daß dieEntwicklung des Geldes die Tendenz hat, zu einer selbständigen Dar-stellung, zu einer Verkörperung der Geldfunktionen zu führen; daßz. B. das Metall in gemünzter Form in der Regel nur Geldfunktionenerfüllt, und daß das Papiergeld seiner ganzen Beschaffenheit nachüberhaupt nur als Geld dienen kann. Aber diese Entwicklungstendenzhat sich im modernen Geldwesen noch nicht entfernt im ganzen Um-fange durchgesetzt. Die Regel, daß die Edelmetalle in gemünzterForm nur als Geld funktionieren, hat ihre Ausnahmen; auch heute