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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
216
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216- Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

noch finden Münzen, die mit allen denkbaren Erfordernissen des Geldesausgestattet sind, gelegentlich als Schmuck Verwendung es seinur auf die Benutzung von Reichsmünzen mit dem Bildnis KaiserFriedrichs III. als Broschen usw. hingewiesen; und wenn ein Gold-schmied Münzen zurücklegt, nicht um sie später wieder zu verausgaben,sondern um sie als Tiegelgut zu verwenden, so haben diese Münzendamit aufgehört, Geld zu sein. Im internationalen Verkehr vollendsist bei den Edelmetallen aus ihrer Erscheinungsform heraus eine Unter-scheidung, ob sie Geld oder nicht Geld sind, ganz und gar unmöglich.Hier flottiert geprägtes und ungeprägtes Edelmetall neben- und durch-einander. Es werden in Goldbarren große Zahlungen geleistet, währendumgekehrt geprägtes Gold in großem Umfange der industriellen Ver-wendung zugeführt wird.

Aus. diesen Gründen kann eine Definition des Geldes nicht an dieSubstanz und die Erscheinungsform des Geldes anknüpfen, sondern nuran seine Funktionen. Ein bestimmtes Objekt ist Geld, soweit es Trägergewisser, näher festzustellender Funktionen ist.

Dabei ist jedoch ein Fehler zu vermeiden, der häufig gemachtworden ist. Man hat mitunter, um zu einer Definition des Geldes zukommen, die sämtlichen Funktionen, die das Geld in unserer Volks-wirtschaft, sei es ausschließlich, sei es neben anderen Gütern, versieht,zu ermitteln gesucht. Als vorbereitende Arbeit hat ein solches Ver-fahren gewiß seine gute Berechtigung, aber eine bloße Aneinander-reihung dieser Einzelfunktionen kann als eine korrekte Definitionnicht anerkannt werden. Denn eine genauere Betrachtung ergibt,daß diese Einzelfunktionen sich teilweise aus einer Grundfunktion ab-leiten, teilweise nur regelmäßig oder gar nur beiläufig mit den begriffs-wesentlichen Funktionen verknüpft sind; ist das der Fall, dann gehörendiese Funktionen nicht in eine Definition, welche nur die wesentlichen,nicht auch die abgeleiteten und unerheblichen Merkmale der zu defi-nierenden Erscheinung zu umfassen hat.

Zur Feststellung des wesentlichen Merkmales gibt es nun zweiWege: entweder muß man von den Einzelfunktionen ausgehen, einejede davon für sich betrachten, sie auf ihre Wesentlichkeit prüfen undsie zu den anderen Funktionen in Beziehung setzen, um so durch Aus-scheidung des Unwesentlichen und Abgeleiteten das wesentliche Merk-mal des Geldes festzustellen; oder aber man muß den Gesamtorganis-mus der Volkswirtschaft zum Aasgangspunkte nehmen und dieStellung des Geldes in diesem Gesamtorganismus aufzufinden und zupräzisieren suchen.

Wir schlagen zunächst den letzteren Weg ein. Die später vorzu-nehmende Untersuchung der einzelnen Funktionen des Geldes wird ge-wissermaßen die Probe auf das Exempel liefern.