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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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3. Kapitel. Die Verkehrsobjekte und Verkehrsvorgänge. § 3.

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ziehenden Übertragungen nach den wesentlichsten unterscheidendenMerkmalen in einige große Gruppen einzuteilen. Es ist dabei, da esauf die Begriffe und nicht auf die Bezeichnungen ankommt, und dadie Begriffe erst festgestellt werden müssen, ehe über die Termino-logie entschieden werden kann, nach Möglichkeit von der Anwendungsolcher Bezeichnungen abgesehen worden, über deren Bedeutung einallgemeines Einverständnis nicht besteht.

Die durch das Geld vermittelten Verkehrsvorgänge werden inder Regel unterschieden inTausch", der durch die Dazwischenkunftdes Geldes zumKauf und-Verkauf' wird, undZahlung"; gerade überden Inhalt dieser Bezeichnungen ist eine vollständige Übereinstimmungnicht vorhanden. Es wurde deshalb bei den vorstehenden Aus-führungen manchmal, wo es nahe gelegen hätte, vonTausch" zusprechen, das umständlichere Wortdoppelseitige Übertragung", und woes nahe gelegen hätte, das WortZahlung" anzuwenden, die Be-zeichnungeinseitige Übertragung" gebraucht. Da nun unter deneinzelnen Funktionen des Geldes meist diejenigen als allgemeinesTauschmittel und als allgemeines Zahlungsmittel aufgezählt werden,erscheint es angebracht, vor der Erörterung der Einzelfunktionen desGeldes die Begriffe Tausch und Zahlung klarzustellen.

Im gewöhnlichen Sprachgebrauche bezeichnet man jede Über-tragung einer Geldsumme als Zahlung; das Wort Zahlung bedeutetursprünglich nichts anderes als das Vorzählen von Geldstücken(numeratio). In diesem allgemeinen Sinne findet eine Zahlung auchdann regelmäßig statt, wenn ein Tausch durch das Geld vermitteltwird. Wer seine Waren gegen Geld hingibt, um mit dem erhaltenenGelde eine andere Ware, auf die sich sein Bedarf richtet, zu er-werben, empfängt und leistet eine Zahlung; er empfängt eine Zahlungals Verkäufer der ihm ursprünglich gehörenden Ware, und er leisteteine Zahlung als Käufer der von ihm benötigten Ware. In diesemallgemeinen Sinne stellt sich also die Zahlung als ein Teil des durchGeld vermittelten Tausches dar.

Daß aber auch die Zahlung im allgemeinen Sinne mehr ist alsdie eine Seite des durch Geld vermittelten Tausches, ergibt sichdaraus, daß eine große Reihe von Zahlungen stattfindet, ohne daßdabei ein Tausch in Frage kommt, Überal wo eine einseitige Über-tragung in Geld bewirkt wird, greift zwar eine Zahlung, aber keinTausch Platz.

Nun hat man innerhalb des weiteren Begriffs der Zahlung, deralle in Geld erfolgenden Übertragungen umfaßt, einen engeren Begriffder Zahlung konstruiert, der die in Geld bestehende Leistung beimTausche nicht einbegreift, und in diesem Sinne hat man zwischen derTauschmittelfunktion und der Zahlungsmittelfuiiktion des {Jejdes unter-