256 Zweites Buch. I. Kapitel Das Geld in der Wirtschaftsordnung.
kapitals, wie die Möglichkeit des Austausches irgend eines Gebrauchs-gutes gegenüber der Kaufkraft des Geldes.
Zu dieser unbeschränkten Verwendbarkeit des Geldkapitals kommtnoch ein weiteres Moment. Wenn eine Übertragung von Kapitalbesitzin natura erfolgt und die Rückerstattung in natura verabredet wird, sotaucht sofort eine große Schwierigkeit für die Regelung dieses Ge-schäftes auf: die meisten Güter, die durch ihre Benutzung aufgebrauchtoder erheblich abgenutzt werden, die sich also nicht zur bloßenNutzungsübertragung im Wege der Pacht, Miete und Gebrauchsleiheeignen, sind nicht ohne weiteres durch andere Güter der gleichen Artvertretbar, sondern sie weisen untereinander große Qualitätsunter-schiede auf. Wenn ein Pferd nicht nur für die Dauer eines Spazier-rittes ausgeliehen, sondern einem anderen zu vollem Eigentum übertragenwird unter der Bedingung der Rückerstattung eines Pferdes nachzehn Jahren, so ist damit zu rechnen, daß Pferde, selbst wenn sie nachRasse und Alter gleich sind, sehr verschiedenwertig sein können. Da-gegen ist das Geld das fungibelste aller Verkehrsobjekte; Unterschiededer Qualität innerhalb des Geldes eines und desselben Staatswesenssind, solange geordnete Verhältnisse bestehen, völlig ausgeschlossen, so-daß gleiche Summen ohne Rücksicht auf die Stücke, aus denen siebestehen, sich unbedingt vertreten können. Die Schwierigkeit derFestsetzung des in der Zukunft zu erstattenden Gegenwertes fehlt mithinvon vornherein, wenn die Kapitalübertragung in Geld erfolgt; sie wird,falls die Kapitalübertragung in natura erfolgt, dadurch behoben, daßdie Rückerstattung nicht in natura, sondern in einer als Preis für dieüberlassenen Sachgüter verabredeten Geldsumme festgesetzt wird. Ähn-liche Erleichterungen bietet die Vermittlung des Geldes hinsichtlichder Festsetzung der Zinsen für die Zeit der Darlehensdauer.
Die großen Vorteile und Erleichterungen, welche die Vermittlungdes Geldes im Kapital verkehr gewährt, haben es bewirkt, daß derKapital verkehr sich nahezu in derselben Ausschließlichkeit wie derAustausch von Waren in Geld vollzieht. Sowohl der Kapitalbedarf fürkurze Zeit als auch der Kapitalbedarf für langfristige Investierungenrichtet sich in unserer Wirtschaftsverfassung in erster Linie auf dasGeld, und ebendeshalb ist für diejenigen, welche ihren Kapitalbesitznicht in einer eigenen Unternehmung ausnutzen, keine Form desKapitals so leicht und vorteilhaft verwendbar, wie das GeldkapiteVAndrerseits wäre ohne den Geldgebrauch wegen der großen, demnaturalen Kapitaldarlehen entgegenstehenden Hindernisse eine irgenderhebliche Ausdehnung des Kapital Verkehrs und damit auch derKapitalansammlung ebenso unmöglich gewesen, wie eine erheblicheAusdehnung des Güteraustausches und damit auch der Güterproduktion.
Daraus ergibt sich ohne weiteres die eminente Volkswirtschaft-