Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
258
Einzelbild herunterladen
 

258 Zweites Buch. L Abschnitt. Das G-eld in der Wirtschaftsordnung.

sammenhang erst noch aufgeklärt werden, auf Grund dessen in demGelde eine Wert- oder Preismaßfunktion mit der unmittelbaren Ver-kehrsvermittelung verbunden ist.

Zunächst erforderlich ist die Feststellung des Wesens derjenigenVerrichtungen des Geldes, welche man unter der Funktion als Wert-maß zusammenfaßt. Diese Feststellung ist infolge der Vieldeutigkeitdes Wertbegriffes und infolge der endlosen Kasuistik, zu der sich dieWertlehre in der modernen Nationalökonomie ausgewachsen hat, eineetwas komplizierte Aufgabe.

Der Wert ist keine den Dingen an sich anhaftende Eigenschaftwie Ausdehnung, Farbe, Härte, Temperatur; er beruht vielmehr aufden Beziehungen, die das menschliche Subjekt zu den Objektender Außenwelt hat, er ist der Ausdruck eines Urteils des Subjektesüber die Bedeutung der Objekte der Außenwelt für das Subjekt oderfür die menschliche Gemeinschaft.

Mit Recht ist die Tatsache, daß seitens des Subjektes eine Be-wertung der Dinge stattfindet, daß es einen Wert gibt, als ein demSein der Dinge analoges Urphänomen bezeichnet worden, sodaß jedeDefinition und Deduktion des Wertes nur die Bedingungen kenntlichmacht, auf Grund welcher der Wert sich einstellt, ohne doch ausihnen hergestellt zu werden, und daß alle Beweise für den Werteines Objektes nichts bedeuten als die Nötigung, den für irgend einObjekt bereits vorausgesetzten Wert auch einem anderen Objekte zu-zuerkennen (Sdoeel). Die Bedingungen, auf denen der wirtschaftlicheWert, der für uns allein in Betracht kommt, beruht, erkennen wirdarin, daß die Dinge der Außenwelt einerseits Gegenstand eines Be-dürfnisses sind, während andrerseits ihrer Erlangung Hemmnisseentgegenstehen, deren Überwindung mit Arbeit und Opfern verbundenist. Nur wenn diese beiden Voraussetzungen gegeben sind, wird denDingen eine wirtschaftliche Bedeutung, ein wirtschaftlicher Wertseitens des wirtschaftenden Subjektes beigelegt.

Soweit sich der Wertungsprozeß 1 in der Einzelseele vollzieht, ister ein subjektiver Vorgang, und die Rangordnung der Werte, derGrad des Wertes der einzelnen Gegenstände, ist das Ergebnis diesessubjektiven Vorgangs. Der Messung zugänglich ist jedoch nur dasobjektive. Wir können die Ausdehnung oder das Gewicht einesKörpers, die beide von unserem Fühlen, Wollen und Urteilen als ge-gebene Eigenschaften eines Objektes unabhängig sind, vermittelsteines bestimmten Verfahrens an einer gegebenen Ausdehnung odereinem gegebenen Gewichte messen, d. h. wir können eine bereits vor-handene Beziehung zwischen zwei gegebenen Größen derselben Artdurch objektive Ermittelung feststellen. Wenn dagegen das isolierteSubjekt, ein Rind gleich bewertet mit einer Anzahl von kupfernen