260 Zweites Buch. L Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung
Entwicklung das allgemeine Werturteil sich zu festen traditionellenWertverhältnissen zwischen den einzelnen Tauschgütern verdichtet —wie wir es im historischen Teile bei der Darstellung, der Anfänge desGeldes beobachtet haben —, oder daß das allgemeine Werturteil sogarin obrigkeitlichen Vorschriften, wie in Preistaxen, eine bestimmteGestalt gewinnt und so als ein äußerer Zwang auftritt, dem das In-dividuum sich zu unterwerfen hat; — auch wo Gesetzgebung und Sitteder Betätigung des subjektiven Werturteils im Verkehr den denkbarweitesten Spielraum lassen, ist bei jedem nur einigermaßen entwickeltenVerkehr das Verhältnis, in welchem die Güter gegeneinander ausge-tauscht werden, das Produkt einer unübersehbaren Vielheit von sub-jektiven Werturteilen, das als solches der Machtsphäre des einzelnenSubjektes entzogen ist oder seinem Einflüsse in nur geringem Maßeunterliegt. Das Wertverhältnis, das zu einem gegebenen Zeitpunkteauf einem bestimmten Markte durch den Austausch zwischen zweiGüterarten realisiert wird, beruht auf den Massenfaktoren Angebotund Nachfrage. Weil im allgemeinen niemand für ein Gut dem einenmehr gibt, als ein beliebiger anderer für das gleiche Gut verlangt,weil umgekehrt der Gegenkontrahent sein Gut nicht für einen geringerenGegenwert abläßt, als er von einem beliebigen Dritten dafür erhaltenkann, deshalb entscheiden nicht die unmittelbaren Kontrahenten allein,sondern alle ihre Konkurrenten in Angebot und Nachfrage über dasWertverhältnis, auf Grund dessen der Tausch wirklich zustande kommt.
Dieses im effektiven Austausche realisierte Wertverhältnis istkeineswegs identisch mit dem subjektiven Werturteile der an dem Tauschebeteiligten Subjekte. Im Gegenteil, es ist Voraussetzung für dasZustandekommen eines jeden Tausches, daß das subjektive Werturteilder tauschenden Personen sowohl untereinander als auch von dem indem Tausche verwirklichten Wertverhältnisse abweicht. Es ist keines-wegs die Absicht der tauschenden Subjekte, Dinge, die sie selbstgleich bewerten, gegeneinander umzusetzen; der ganze Zweck desTausches ist vielmehr, an Stelle eines Gutes, das man hat, ein anderesGut zu erlangen, das man auf Grund seiner ganzen ökonomischenLage und Zwecke höher bewertet; und ein Tausch kommt nur zu-stande, wenn jeder das von dem anderen gebotene Gut in der gebotenenQualität und Quantität höher schätzt, als das von ihm dafür hinzu-gebende Gut.
So wenig nun das im tatsächlich zustande gekommenen Tauscheverwirklichte Wertverhältnis zwischen zwei Gütern dem Werturteileirgend eines der tauschenden Subjekte genau entspricht, so sehr istes doch das Produkt der verschiedenen divergierenden Werturteilealler derjenigen, zwischen denen — gerade wegen des Auseinander-gehens ihrer Werturteile — ein Tausch auf dieser Basis zustande