3. Kapitel. Die Einzelfunktionen des Geldes. § D.
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gekommen ist. Wenn 10 Leute Rinder gegen Schafe im Austauschhingegeben haben, auf Grund des Verhältnisses 1 Rind = 8 Schafe,so ist dieses den 10 Tauschvorgängen zugrunde liegende Wert-verhältnis nur dadurch zustande gekommen, daß mindestens 10 Leute,die Rinder besaßen, je 8 Schafe höher bewerteten als 1 Rind, währendumgekehrt mindestens 10 Leute, die Schafe besaßen, 1 Rind höherbewerteten als 8 Schafe.
Damit ist die Brücke geschlagen zwischen dem subjektiven Wert-urteile der Individuen und dem im Verkehr verwirklichten Wertver-hältnisse zwischen den einzelnen Tauschgütern. Dieses im Verkehrin Erscheinung tretende Wertverhältnis zwischen den Tauschgüternsteht den einzelnen wirtschaftenden Subjekten durchaus als eine objek-tive Tatsache gegenüber, die von dem Einzelsubjekte nach Maßgabeder praktischen Wirksamkeit, die es durch Angebot oder Nach-frage seinem abweichenden Werturteile zu geben vermag, modifiziertwerden kann, deren Anerkennung als solcher sich jedoch auch diemächtigste Einzelpersönlichkeit nicht zu entziehen vermag, währendim allgemeinen die einzelnen Subjekte sich zur nahezu restlosenUnterwerfung gezwungen sehen. Die Bedeutung des den Umsätzenjeweils zugrunde liegenden Wertverhältnisses wird für die wirt-schaftenden Individuen um so größer, je mehr die Eigenproduktiondurch die Produktion für den Markt verdrängt wird. Je weiter diearbeitsteilige und verkehrswirtschaftliche Organisation der Volks-wirtschaft sich vervollkommnet, je mehr die einzelnen Individuen dieDinge, auf die sich ihre Bedürfnisse richten, auf dem Umwege desAustausches zu beschaffen gezwungen sind, desto mehr hängt die End-wirkung der wirtschaftlichen Tätigkeit, der Grad der erreichtenBedürfnisbefriedigung davon ab, was man für seine Arbeitsleistungoder deren Erzeugnisse auf dem Wege des Austausches zu beschaffenvermag.
Das objektive Vorhandensein eines Austauschverhältnisses zwischenzwei Gütern verleitet zu der Abstraktion, daß jedes der beiden Gütermit einem bestimmten, von der Schätzung der einzelnen Individuenunabhängigen objektiven Wertquantum ausgestattet sei, das als „Ver-kehrswert" oder „Tauschwert"») bezeichnet wird. Der „Verkehrswert"ist im Unterschied zu dem Werte, welchen das Einzelsubjekt denDingen beilegt, derjenige Wert, welchen der „Verkehr" selbst, die
1) Der Gebrauch des Wortes „Tauschwert" zur Bezeichnung der Fähigkeiteines Gutes, gegen andere Güter ausgetauscht zu werden, ist m. E. ebenso abzu-lehnen, wie die Anwendung des Wortes „Gebrauchswert" zur Bezeichnung derTauglichkeit eines Gegenstandes, irgend einem Bedürfnisse zu dienen. Tauschfähig-keit und Nützlichkeit sind als konstituierende Elemente des Tauschwertes, bzw.des Wertes überhaupt, von dem Werte selbst zn unterscheiden.