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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
274
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274 Zweites Buch. L Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

In der Tat leistet das Geld Dienste als Wertträger durch Zeitund Raum, ohne gleichzeitig die Person des Besitzers zu wechseln.

Es ist ein erstes Zeichen planmäßiger Wirtschaft, daß die Hand-lungen des Menschen sich nicht mehr bloß auf die unmittelbare Bedarfs-befriedigung richten, sondern daß eine gewisse Vorsorge für die Zu-kunft Platz greift; eine Vorsorge, die sich in ihren Anfängen nur darinäußert, daß der Mensch die Dinge, die er nicht unmittelbar verzehrenkann, nicht mehr mutwillig oder sorglos verkommen läßt, und die sichschließlich dahin steigert, daß der Mensch zum Zwecke der wirtschaft-lichen Sicherstellung seiner Zukunft seinen Verbrauch in der Gegen-wart unter fühlbaren Entbehrungen freiwillig beschränkt.

Nun steht der längeren Aufbewahrung von Gütern, die für denunmittelbaren Konsum bestimmt sind, das große Hindernis entgegen,daß weitaus die meisten Verbrauchsgüter, und zwar gerade diejenigen,welche den elementaren Lebensbedürfnissen dienen, einem verhältnis-mäßig raschen Verderb ausgesetzt sind: Brot, Fleisch, Fische,Früchte usw. Dazu kommt, daß die Aufbewahrung irgend erheblicherQuantitäten solcher Güter wegen ihres großen Volumens Vorkehrungenund Räume erfordert, über die der einzelne in der Regel nicht verfügt.Zur Aufbewahrung für längere Dauer eignen sich deshalb nurDinge, die eine weitgehende Widerstandsfähigkeit gegen zerstörendeEinflüsse der äußeren Natur besitzen, und unter diesen namentlichsolche, welche in kleinem Volumen einen großen Wert enthalten;letzteres ist auch deshalb besonders wichtig, weil solche Gegenständeungleich leichter gegen Raub und Diebstahl gesichert werden könnenals voluminöse Güter, sei es durch Verbergen, sei es durch besonderetechnische Vorkehrungen.

Aus ganz natürlichen Gründen haben Dinge dieser Art, wieSchmuck, wertvolle Geräte und Waffen, Metalle, kostbare Steine usw.,am frühesten den Gegenstand dauernden Besitzes gebildet, früher alsViehheiden, die bereits eine planmäßige Wirtschaft voraussetzen.Diese Dinge haben sich im dauernden Besitze der einzelnen angesammelt,ohne daß dabei. der Gedanke einer Vorsorge für die wirtschaftlicheZukunft mitgewirkt hätte, vielmehr lediglich deshalb, weil sie ihrerNatur nach nicht einem einmaligen Verbrauche, sondern einemdauernden Gebrauche, oft durch Generationen hindurch, zu dienen be-stimmt waren.

Es setzt bereits den Übergang von der Eigenproduktion zur Tausch-wirtschaft voraus, wenn die Ansammlung solcher Güter gleichzeitigdem gegenwärtigen Schmuckbedürfnisse und der Vorsorge für die Zu-kunft dient, wie etwa bei der Inderin, die ihre Habe in Form vonSilberschmuck an ihrem Körper trägt und das Silber in schlimmenZeiten gegen Brot und die sonstigen unentbehrlichen Bedarfsgüter