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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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3. Kapitel. Die Einzelfunktionen des Geldes. § 6.

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hingibt. Hier haben wir Gebrauchsgut, Wertbewahrungsmittel undTauschmittel in einem. Kaum anders verhält es sich mit den großenHorten", von denen unsere Sagen zu melden wissen, und mit denSchätzen, wie sie heute noch von indischen Fürsten gehalten werden.Sie dienen in normalen Zeiten dem Schmuck- und Prunkbedürfnisse derGroßen als glänzende Zeichen ihres Reichtums und ihrer Macht; siestellen gleichzeitig eine gewaltige Vermögensmacht dar, die im Bedarfs-falle gegen nötigere Güter umgesetzt und zur Besoldung von Heerenverwendet werden kann.

Die reine Form der Aufspeicherung von Werten für eine zukünftigeVerwendung (Thesaurierung) haben wir dort, wo die aufbewahrtenGegenstände für die Dauer der Aufbewahrung allen Gebrauchszweckenentzogen sind, wo ausschließlich die Sicherstellung von Mitteln fürkünftige Zeiten das treibende Motiv für die Ansammlung und Auf-bewahrung ist. Nachdem das Geld entstanden ist und in der Münzeeine besondere Form erhalten hat, in der es nur noch Geld, nichtmehr Schmuckgegenstand ist, wird das Geld das wichtigste Objekteiner solchen Aufspeicherung oder Thesaurierung. Der einzige Gebrauch,den das wirtschaftende Individuum von dem Gelde als solchem machenkann, ist der, daß es das Geld ausgibt; jede Aufbewahrung von Geldist mithin für die Zeit der Aufbewahrung ein totaler Verzicht aufseinen Gebrauch. Die harten Taler im Strumpfe des Bauern altenSchlags, die Geldstücke in der Truhe, womöglich in der Erde vergraben,sind die deutlichsten Beispiele einer solchen Thesaurierung. Aberauch ein Kriegsschatz, wie wir ihn heute noch in den 120 MillionenMark Reichsgoldmünzen im Juliusturme zu Spandau haben, bildet inseiner reinen und nüchternen Zweckbestimmung für einen künftigenBedarf ein interessantes Gegenstück zu dem aus Diamanten, Juwelen,kostbaren Geräten und sonstigen Prunkstücken bestehenden Schatze einesindischen Fürsten . Hierher gehören schließlich mit später zu besprechen-den Einschränkungen auch die baren Kassenvorräte, die in deneinzelnen Wirtschaften im Hinblick auf einen mehr oder weniger un-bestimmten künftigen Bedarf gehalten werden, und unter diesenvor allem die gewaltigen Barvorräte der modernen Zentralbanken, aufdie nicht nur unmittelbar die betreffende Bank selbst, sondern mittel-bar auch die gesamte Volkswirtschaft im Bedarfsfalle soll zurück-greifen können.

Wenn auf Grund solcher Beobachtungen feststeht, daß in großemUmfange Werte, die zu einer Verwendung irgend welcher Art in derZukunft bestimmt sind, in Geld aufbewahrt werden, so haben wirnunmehr den Zusammenhang zwischen dieser Funktion des Geldes alsWertträger durch die Zeit" und dem Wesen des Geldes selbst zuuntersuchen.

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