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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
276
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276 Zweites Buch. L Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

Wir machen zunächst die bei der engen Verwandtschaft zwischenden Funktionen als Wertträger von Person zu Person und als Wert-träger durch die Zeit nahezu selbstverständliche Wahrnehmung, daßeinige wichtige Eigenschaften, welche gerade die Edelmetalle zumGelde, insbesondere zum allgemeinen Tauschmittel, hervorragend ge-eignet erscheinen lassen, die Edelmetalle und das Edelmetallgeld auchzum Mittel der Aufbewahrung von Vermögenswerten für eine künftigeVerwendung ganz besonders befähigen; so ihre Dauerhaftigkeit und ver-hältnismäßig große Wertbeständigkeit, ihr hoher Wert bei kleinemVolumen und Gewichte, ihre allgemeine Begehrtheit.

Wenn in dieser Hinsicht die Funktion des Geldes als Mittel desinterpersonalen Verkehrs und die Funktion als Wertträger durch dieZeit gewissermaßen auf demselben Boden gewachsen sind, so ist ineiner anderen wichtigen Beziehung die Funktion des Geldes als Thesau -rierungsmittel von der kardinalen Funktion des Geldes abzuleiten.Bei der Aufbewahrung von Vermögenswerten für eine künftige Ver-wendung, mag dabei eine Verwendung zum unmittelbaren Verbraucheins Auge gefaßt sein oder eine Verwendung zu Erwerbszwecken, läßtsich meist der zukünftige Bedarf im einzelnen nicht im voraus über-sehen; soweit er sich übersehen läßt, stehen der Aufbewahrung derBedarfsgüter selbst meist die bereits dargestellten Hemmnisse entgegen.Unter diesen Umständen gibt die Aufbewahrung von Geld dem wirt-schaftenden Individuum die denkbar größte Bewegungsfreiheit gegen-über unvorhergesehenen Eventualitäten und in der künftigen Verwen-dung seiner Mittel zu Konsumtions - oder Produktionszwecken. Weilgegen Geld alle überhaupt erhältlichen Dinge mit Sicherheit beschafftwerden können, weil das Geld jederzeit zu vorhergesehenen und un-vorhergesehenen Zahlungen verwendet werden kann, weil das Geldferner die bequemste und willkommenste Form für die Ausleihung vonKapitalien ist, kurz weil das Geld der Vermittler des interperso-nalen Vorkehrs ist, deshalb eignet es sich noch besser als alle anderenihrer Natur nach zur Wertbewahrung geeigneten Güter zur Ansamm-lung von Vermögenswerten für eine zukünftige Verwendung. Alleanderen Wertobjekte, wie kostbare Steine und Perlen, Grundbesitz usw.,müssen im Bedarfsfälle zur Beschaffung der benötigten Dinge zunächstin Geld umgesetzt werden, vielleicht in Zeiten, in denen eine notge-drungene Veräußerung nicht ohne Verluste möglich ist; nur das Geldist für alle Fälle stets bereit und schlagfertig.

Trotzdem ist das Geld keineswegs das ausschließliche Thesau-rierungsmittel geworden, so wie es etwa das allgemeine Tauschmitteloder Zahlungsmittel geworden ist. Stets haben außer dem GeldeSchmuckgegenstände, Edelsteine, Perlen, Tafelgerät aus edlen Metallenund andere Kostbarkeiten neben ihrem unmittelbaren Gebrauchszwecke