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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
277
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3. Kapitel Die Einzelfunktionen des Geldes. § 6. 277

in gewissem Umfange die Bedeutung beibehalten, eine leicht realisier-bare Eeserve für schlimme Zeiten zu bilden. Mitunter dient auchder Grundbesitz, der als unbewegliches Gut dem Gelde als dembeweglichsten aller Güter in fast allen Beziehungen diametral gegen-übersteht, ausgesprochenermaßen dem Zwecke einer unbedingt sicherenVermögensanlage.

Vor allem aber ist hervorzuheben, daß die ganze neuzeitlicheEntwicklung der Volkswirtschaft, die darauf hinausläuft, alle wirt-schaftlichen Kräfte für die Schaffung neuer Werte dienstbar zu machenund soweit wie möglich auszunutzen, die Tendenz hat, die Verwen-dung des Geldes zu Thesaurierungszwecken aufs möglichste zu be-schränken. Das Geld im Kasten liegt brach, es bringt während derZeit der Aufbewahrung weder dem Eigentümer etwas ein, noch schafftes einen Nutzen für die gesamte Volkswirtschaft. Sobald nun dieRechtssicherheit so fest begründet ist, daß eine auf Geld lautende For-derung für die Zukunft nahezu dieselbe Verfügung über Geld gewährtwie der effektive Besitz des Geldes selbst, kommt der einzelne in dieLage, das in der Gegenwart von ihm nicht benötigte Geld, das er sichfür die Zukunft sicher stellen will, an vertrauenswürdige Personen"und Unternehmungen gegen Zinsen ausleihen oder zur Anlage in zins-bringenden Wertpapieren verwenden zu können. Der kleine Mannbringt seine Ersparnisse, statt sie selbst aufzubewahren, zur Sparkasse;die Geschäftsleute vertrauen ihre baren Reserven den Banken an,große Vermögen werden, statt in barem Gelde, in zinstragendenPapieren angelegt. Solange das Vertrauen in die Sparkasse, die Bank,den Staat oder den sonstigen Schuldner nicht täuscht, wird auf dieseWeise der Zweck der Wertbewahrung ebenso gut erfüllt, wie bei derThesaurierung baren Geldes; aber die angesammelten Werte sind gleich-zeitig produktiv, sie werfen dem Besitzer Zinserträgnisse ab undstehen für die wirtschaftlichen Zwecke der Gesamtheit zur Ver-fügung.

Infolge dieser gewaltigen Vorteile ist in unserer Zeit die Ansamm-lung baren Geldes in den Einzelwirtschaften, soweit sie den Betragfür den regelmäßigen Kauf- und Zahlungsbedarf überschreitet, so sehrabgekommen, daß uns der Strumpf voller Taler und die goldgefüllteTruhe als Kuriositäten erscheinen. Wenn andrerseits sich in den großenZentralbanken, wie bereits erwähnt, gewaltige, den täglichen Zahlungs-bedarf dieser Institute beträchtlich überschreitende Bestände von Metall-geld angesammelt haben, die in früheren Zeiten nicht ihres Gleichenfinden, so widerspricht das der . Tendenz der Zurückdrängung derThesaurierungsfunktion des Geldes keineswegs; die großen Beständesind lediglich das Ergebnis einer gewaltigen Konzentration der barenBestände der Einzelwirtschaften, und sie sind, so ungeheuer sie er-