278 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.
scheinen mögen, immer noch gering gegenüber der Summe der ein-zelnen Barbestände, deren Unterhaltung durch sie überflüssig ge-macht wird.
Die Tatsache, daß an die Stelle der Thesaurierung von Geldimmer mehr die zinsbare Anlage der Geldvorräte tritt, bedeutet nichtsanderes, als daß die Funktion des Geldes als Wertbewahrungsmittelimmer mehr durch die Funktion des Geldes als Vermittler des Kapital-verkehrs ersetzt wird, richtiger gesagt: daß immer mehr die erstereFunktion sich mit der letzteren verschmilzt; denn das Geld als solches,allerdings nicht die bestimmten angesammelten Geldstücke, bleibtWertbewahrer, auch wenn es ausgeliehen wird, und alle Gründe, diefrüher die wirkliche Thesaurierung von Geld gegenüber der Ansamm-lung von anderen Vermögenswerten begünstigt haben, wirken auch heutenoch dahin, daß die Vermögen, soweit sie nicht in der Erwerbs- undVerbrauchswirtschaft des Besitzers eine gegenwärtige Verwendunglinden, vorzugsweise gerade in Forderungen auf Geld und nicht inForderungen auf andere Verkehrsobjekte angelegt zu werden pflegen.
Über die Funktion des Geldes als Wertträger durch den Raum istwenig zu sagen. Als selbständige Funktion kommt die Vermittlung desWerttransportes nur insoweit in Betracht, als das Geld dabei im Besitzeeiner und derselben Person bleibt, also hauptsächlich in den Fällen, indenen das Geld seinen Besitzer bei dessen Ortsveränderungen begleitet. Einselbständiger Dienst des Geldes als Wertträger durch den Raum istz. B.'nicht vorhanden bei der Begleichung eines Saldos in der inter-nationalen Zahlungsbilanz durch Geldsendungen; denn hier wird mitdem Gelde der Überschuß der Wareneinfuhr und der dem Auslande zuzahlenden Frachten, Zinsen usw. über die Warenausfuhr und dievom Auslande zu leistenden Zahlungen beglichen. Das Geld fungiertin diesem Falle als Tauschmittel und Zahlungsmittel, und wenn größereinternationale Kapitalbewegungen mitsprechen (Investierung inlän-dischen Kapitals in ausländischen Anleihen oder Unternehmungen undumgekehrt), als Mittel der Kapitalübertragung, mithin als Wertträgervon Person zu Person; als Wertträger durch den Raum fungiert eszwar gleichfalls, aber nur insoweit und nur deshalb, weil der Standortder Personen, zwischen denen das Geld den Verkehr vermittelt, einverschiedener ist. Dagegen liegt eine selbständige Vermittlung desWerttransportes durch das Geld in den Fällen vor, in denen das Geldseinen Besitzer auf Reisen, bei Umzug oder Auswanderung begleitet,oder in denen der Besitzer sein Vermögen oder einen Teil desselben inForm von Geld von einem Orte nach einem anderen behufs Aufbewah-rung oder produktiver Verwendung überträgt. Der Auswanderer z. B.sieht sich genötigt, seinen unbeweglichen Besitz und einen Teil seiner