Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
341
Einzelbild herunterladen
 

5. Kapitel. Der Inhalt der Geldschulden. § 6.

341

Papiergelde im freien Verkehr Mittel zur Erfüllung seiner Aufgabenzu beschaffen; er wird das um so leichter und vollkommener erreichen,je höher der Verkehr sein Papiergeld bewertet, und die Fähigkeit,zu einem festen Nennwerte zur rechtskräftigen Tilgung von Geldschuldenzu dienen, wird dem Papiergelde natürlich einen weit höheren Verkehrs-wert sichern, als wenn ihm wie früher mitunter versucht wordenist nur Zahlungskraft zu einem von Tag zu Tag schwankendenKurswerte gegeben würde.

Abgesehen von solchen Notlagen, welche jedes Prinzip brechen,gilt es heute als Gemeinüberzeugung, daß der Staat durch Verände-rungen des Geldes keine ökonomischen Verschiebungen, durch welchedie eine oder andere Klasse geschädigt werden muß, herbeiführendürfe; mit anderen Worten: derWert des Geldes" soll durch Ver-änderungen des Geldsystems möglichst wenig betroffen werden, derSchuldner soll durch eine das Geld betreffende Maßregel ebensowenigwie der Gläubiger geschädigt werden. Die Ermittelung einer an-gemessenen Kelation ist mithin ein nationalökonoraisches Problem. >j

Wird bei einer Geldverfassung, in welcher zwischen der Geld-einheit und einem bestimmten Quantum Edelmetall durch freie Prägungund ergänzende Vorkehrungen ein annähernd festes Wertverhältnis

1) Nähere Ausführungen sind unten in Abschnitt IV, Kapitel 12 enthalten.Knapp gibt S. 182202 eine sehr eingehende Analyse der Währungsänderungen.Abgesehen von Unterscheidungen, die von anderen Kriterien ausgehen, unterscheidet ernach dem Wertverhältnisse des neuen Geldes zum altensteigende",schwebende-' undsinkende Übergänge". Nur spricht er den Währuugsänderungen jede irgend erheb-liche Wirkung für die innere Volkswirtschaft ab, ausschließlich der Metallhandelwerde durch Währungsänderungen wieder unmittelbar berührt; im übrigen könneein Währungswechsel nur durch sekundäre Veränderungen mancherKonjunkturen''wirksam werden. Diese Auffassung ist nur dadurch erklärlich, daß für Knapp dasProblem des Geldwertes überhaupt nicht existiert, daß er infolgedessen die auf Seitedes Geldes wirksamen Bestimmungsgründe für die Veränderungen der Warenpreiseignoriert. Das Geld hat für ihn nur eineGeltung", keinenWerf; es existiert fürihn nur als Zahlungsmittel für Geldschulden (als juristische Kategorie), nicht alsGegenwert bei den Umsätzen des freien wirtschaftlichen Verkehrs (als ökonomischeKategorie). Für ihn ist das Problem des Währungswechsels damit erledigt, daß dieStellung der wirtschaftenden Individuen eineamphitropische" sei, d. h. daß jedesIndividuum zugleich Schuldner und Gläubiger sei; bei sinkenden oder steigendenWährungsänderungen werde deshalb der scheinbare Verlust oder Gewinn beim Nehmenausgeglichen durch den entsprechenden Gewinn oder Verlust beim Geben; eine Auf-fassung, die sofort widerlegt wird durch die Tatsache, daß zahlreiche wirtschaftendIndividuen Waren verkaufen müssen, um das zur Bezahlung ihrer Schulden oder derZinsen auf ihre Schulden erforderliche Geld zu beschaffen, während andere in derLage sind, mit dem aus ihren Forderungen eingehenden Gelde Waren zu kaufen.Wenn also ein,Währungswechsel auf die Warenpreise einwirkt, so verändert ertrotzdem oder gerade weil er die Geltung des Geldes als Zahlungsmittel für Geld-schulden nicht berührt, die wirtschaftliche Lage beider Volksschichten und übt einenEinfluß auf den Gang des Gesehäftslebens aus.