III. Abschnitt. Die Geldverfassung.
7. Kapitel. Die Erfordernisse des Geldes.§ 1. "Vorbemerkung 1 .
Von den Erörterungen über die Stellung des Geldes in der Wirt-schafts- und Kechtsordnung, über seinen Begriff und seine Funktionenwenden wir uns zur Betrachtung der konkreten Erscheinungsformendes Geldes und der Zusammenfassung dieser in den Geldsystemen.
So einheitlich der richtig aufgefaßte Begriff des Geldes sich unsdarstellt, so vielgestaltig treten uns die Dinge gegenüber, welche diesenBegriff in der Wirklichkeit verkörpern. Das Geld eines jeden einzelnenStaates besteht aus einer Anzahl verschiedenartiger Stoffe in ver-schiedenartiger Form, aus Materien, die durch ein immaterielles Bandzu einer kunstvollen Einheit zusammengefaßt sind, zu einer Einheit,in der jedes einzelne Stück als die Verkörperung einer und derselbenGeldidee erscheint. Das ganze ist das Produkt einer historischenEntwicklung, bei welcher — neben manchen willkürlichen Eingriffender politischen Gewalt und ihrer Träger — die Bedürfnisse des wirt-schaftlichen Verkehrs und ihre Wandlungen eine treibende Kraft undin der Hauptsache die ausschlaggebende Kraft gewesen sind. DieErfordernisse, die sich nach dem jeweiligen Stande der Volkswirt-schaft aus der Stellung und den Aufgaben des Geldes ergeben, habendie natürliche Tendenz, sich die konkreten Erscheinungsformen desGeldes anzupassen; jede planmäßige Einwirkung des Staates und seinerGesetzgebung auf die Gestaltung des Geldwesens muß, solange sienicht außerhalb des Geldwesens liegende Ziele verfolgt, darauf hinaus-gehen, das Geld in seiner konkreten Erscheinung so zu gestalten,daß es den durch seine Funktionen und den Stand der Volkswirtschaftgegebenen Erfordernissen so gut wie möglich zu genügen vermag.
Die Betrachtung dieser Erfordernisse bildet mithin die gegebeneBrücke von der Betrachtung der begrifflichen Seite und der Funktionendes Geldes zur Darstellung der Verwirklichung des Geldbegriffs inder die Erscheinungsformen des Geldes zusammenschließenden Geld-verfassung.