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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.
kehr umgesetzt werden, so klein sind andrerseits mitunter die Wert-beträge und Wertdifferenzen, die in den unteren Schichten der Volks-wirtschaft in Betracht zu ziehen sind. Von der Tausendmarknotebis zum Pfennigstück ist ein weiter Spielraum, der nur zum Teildurch Goldgeld ausgefüllt werden kann. Sowohl nach oben, als auchnach unten hat die Handlichkeit und Verwendbarkeit des Goldes ihreGrenzen. Unter eine gewisse Größe kann man mit den Goldmünzennicht herabgehen, ohne daß sie unhandlich und leicht verlier-bar werden. Der Begriff der „Handlichkeit" ist natürlich kein festgegebener, sondern ein nach Zeiten, Ländern und sozialen Schichtenverschiedener. Ein Goldstück, das für die „schwielige Hand des Ar-beiters" wegen seiner Kleinheit unhandlich ist, mag in einem nied-lichen Damenportemonnaie sehr wohl am Platze sein, und umgekehrtist z. B. das silberne Fünfmarkstück in den Arbeiterkreisen der In-dustriebezirke stark begehrt, während es in anderen Schichten wegenseiner Tinhandlichkeit oft entrüstet zurückgewiesen wird. Hinsichtlichdes Goldes haben nun die praktischen Erfahrungen bei uns in Deutsch-land gezeigt, daß das goldene Fünfmarkstück bereits unterhalb derdurch die Gewohnheiten und Bedürfnisse des Geldverkehrs gezogeneuGrenze steht. Der Baum vom Zehnmarkstücke abwärts gehört alsodem Silber bis zu dem Punkte, wo auch das Silber anfängt, unhand-lich zu werden. Das silberne Zwanzigpfennigstück hat sich im prak-tischen Verkehr nicht "iehr bewährt, wobei allerdings zu bemerkenist, daß es in Süddeutschland, wo man von früheren Zeiten her ankleine Münzen gewöhnt war, sich einer beträchtlich größeren Beliebt-heit erfreute als im Norden. Unterhalb des Silbers bleibt noch einRaum für die Verwendung unedler Metalle.
Nach oben hin kommt auch für das Gold der Punkt, an dem esnicht mehr als ein bequemes Geld angesehen wird. Große Goldmünzen,wie sie z. B in Frankreich geprägt worden sind (zu 100 und 50 Franken),haben im Geldverkehr niemals eine Bedeutung erlangt; der Typus desdeutschen Z^anzigmarkstücks und des englischen Sovereign stellt fürdie im Verkehr gebräuchlichen Goldmünzen bereits das Maximum derGröße dar. Nun lassen sich allerdings große Summen in solchenStücken beliebig zusammenstellen, aber bei größeren Beträgen wirdden papiernen Geldzeichen allenthalben der Vorzug gegeben. Es istfraglos bereits bequemer, zwei Noten zu hundert Mark als zehnZwiir.zigmarkstücke bei sich tragen, und diese Bequemlichkeit steigertsiefi progessiv, je mehr die Beträge wachsen; man stelle nur eineZahlung von 10 000 Mark in 10 Reichsbanknoten ä 1000 Mark derZahlung desselben Betrags in 500 Zwanzigmarkstücken gegenüber.
Auch hinsichtlich kleinerer Beträge erscheinen für bestimmteZwecke papierne Geldzeichen geeigneter als Metallgeld. So werden z.B.