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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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7. Kapitel. Die Erfordernisse des Geldes. § 4.

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die deutschen Reichskassenscheine vielfach zur Versendung mit derPost benutzt.

Im übrigen sind gerade mit Bezug auf die papiernen Umlaufs-mittel die Verkehrsgewohnheiten der einzelnen Völker außerordentlichverschieden. Man hat die Erfahrung gemacht, daß in Ländern, indenen lange Zeit hindurch Papierwährung bestanden hat, sich derVerkehr nur langsam wieder anHartgeld" gewöhnt, während andrer-seits z. B. Deutsche, die an eine metallische Zirkulation gewöhnt sind,die naturgemäß meist nicht im besten und reinlichsten Zustandebefindlichen kleinen Papierscheine zu einem Gulden oder einer Lira,die noch vor nicht allzulanger Zeit in Österreich-Ungarn und in Italien umliefen, geradezu unerträglich fanden und sich jetzt auch nur schweran die neuen Reichsbanknoten zu 50 und 20 Mark gewöhnen.

Die Unmöglichkeit, dem Verkehrsbedürfnisse durch einen einzigenGeldstoff oder gar eine einzige Geldsorte.zu genügen, stellt die dasGeldwesen regelnde und die Münzprägung ausübende Staatsgewalt vordie Aufgabe, ein ganzes System von sich gegenseitig ergänzendenGeldsorten aus verschiedenen Stoffen zu schaffen. "Wenn das. Geldseine Funktion als Mittel von Wertübertragungen in bequemer Weiseerfüllen soll, dann muß die Auswahl der einzelnen Sorten, die so-genannteStückelung", zwei Bedingungen erfüllen. Die Stückelungsoll einerseits die Darstellung der verschiedensten Geldsummen durcheine geringe Anzahl von Geldstücken möglich machen, andrerseitsdie Verwechselung der verschiedenwertigen Geldstücke nach Möglich-keit ausschließen. Beide Forderungen widersprechen sich in gewisserWeise; die erstere verlangt eine vielgestaltige, die letztere eine einfacheStückelung. Je verschiedenere Sorten vorhanden sind, desto wenigereinzelne Stücke sind zur Darstellung beliebiger Summen erforderlich.Wenn z. B. zwischen dem 10 Pfennig- und 50 Pfennigstück keineMünze eingeschoben ist, kann der Betrag von 45 Pfennigen nur durchfünf Stücke (4 Zehnpfennigstücke und 1 Fünfpfennigstück) dargestelltwerden; ist aber ein Zwanzigpfennigstück oder Fünfundzwanzigpfennig-stück vorhanden, so genügen drei Stücke (2 zu 20 und 1 zu 5 Pfennigoder 1 zu 25 und 2 zu 10 Pfennig). Je mehr Sorten vorhanden sind,desto geringer müssen aber bei der durch die Gewohnheit festgelegtenForm der Münzen, bei der geringen Münzgröße und bei der geringenAnzahl der in Betracht kommenden Geldstoffe die augenfälligen Unter-schiede zwischen den einzelnen Sorten werden. Wo die richtige Mitteliegt, darüber kann nur die praktische Erfahrung entscheiden, die beiuns in Deutschland beispielsweise gezeigt hat, daß der Verkehr dasfrüher für notwendig gehaltene 20 Pfennigstück und ebenso das25 Pfennigstück sehr wohl entbehren kann; sowohl die ursprünglicheingeführten silbernen als auch die später eingeführtennickeinen"

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