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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.
Zwanzigpfennigstücke sind in Wegfall gekommen, ohne daß sie einefühlbare Lücke hinterlassen hätten, und das neue nickeine Fünfund-zwanzigpfennigstück hat im Verkehr keineswegs eine enthusiastischeAufnahme gefunden.
§ 5. Technische und ästhetische Erfordernisse.
Die leichte Unterscheidbarkeit der Münzen, die bei der Auswahlder Stückelung mit in Betracht gezogen werden muß, stellt außer-dem gewisse technische Ansprüche an die Münzstücke. Vor allem istein deutliches Gepräge erforderlich, das es ermöglicht, die an Größeund Metallfarbe einander ähnlichen Stücke leicht auseinander zuhalten. Das wichtigste an der Münze ist der Wert, den sie darstellensoll; eine möglichst deutliche Wertbezeichnung erscheint deshalb ganzbesonders geboten. Aber gerade gegen diesen Grundsatz wird häufiggenug verstoßen. Oft bedecken Bilder und Wappen mit mehr oderminder ausführlichen Inschriften die ganze Oberfläche der Münzstücke,sodaß man die Wertbezeichnung erst mühsam heraussuchen muß. —Neben der Deutlichkeit in der Zeichnung des Gepräges ist ein weiteresErfordernis die Dauerhaftigkeit des Gepräges. Um die Münzstückenach Möglichkeit vor einer das Gepräge verwischenden und ihrenMetallgehalt verkürzenden Abnutzung zu schützen, wird allgemeinden Edelmetallen ein Zusatz von Kupfer gegeben (Legierung oder Be-schickung), der ihre Widerstandsfähigkeit gegen Abnutzung beträcht-lich erhöht; ferner werden die Münzstücke, um das Gepräge möglichstvor Abreibung zu schützen, mit erhöhtem Rande geprägt; die Reifelungoder Prägung des Randes selbst hat den Zweck, den Feingehalt derMünzen gegen betrügerische Verkürzung durch Befeilen sicher zustellen. Der Staatsfiskus bat an diesen Schutzmaßregeln einebenso großes Interesse wie der Verkehr. Da jedoch die Abnutzungauf die Dauer auch bei den besten technischen Vorkehrungen unver-meidlich ist, bleibt für den Staat die Aufgabe bestehen, für die fort-gesetzte Erneuerung des Münzumlaufs durch Beseitigung der abge-nutzten Stücke und durch Neuprägungen zu sorgen.
In Verbindung mit diesen technischen Erfordernissen ist einweiterer, sich auf das Äußere der Geldstücke beziehender Punkt kurzzu berühren, der allerdings mehr in das Gebiet der Ästhetik als dereigentlichen Verkehrsbedürfhisse gehört. Jeder Staat sollte einen ge-wissen Stolz hineinsetzen, seine Münzen mit einem geschmackvollenund gut ausgeführten Gepräge auszustatten und sie aus Legierungenherzustellen, die sie nicht nur gegen Abnutzung schützen, sondern ihnenauch bei ihrem Wege durch ungezählte Hände ein möglichst rein-liches und freundliches Aussehen bewahren. Kein Bild kommt demVolke im taglichen Verkehr so oft in die Hände und vor die Augen,