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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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7. Kapitel. Die Erfordernisse des Geldes. § 6.

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wie das Gepräge seiner Münzen; jedes Münzstück sollte deshalb einkleiner Kunstgegenstand sein, den man mit Befriedigung betrachtenkann. Vor allem aber sollten auch bei den geringwertigen MünzenLegierungen vermieden werden, die schon nach kurzem Gebrauche einhäßliches Aussehen annehmen, wie das namentlich bei der Metallmasseder Fall ist, aus der in Deutschland und einigen anderen Länderndie sogenanntenNickelmünzen" geprägt werden; diese Masse enthält75 Teile Kupfer und nur 25 Teile Nickel, und die aus ihr geprägtenMünzen unterscheiden sich äußerst unvorteilhaft von den Münzen ausReinnickel, wie den schweizerischen 20 Centimesstücken und den neuenösterreichischen 20 und 10 Hellerstücken und neuerdings dem deutschen25 Pfennigstück. Die große Unbeliebtheit, auf welche das nickeineZwanzigpfennigstück in Deutschland überall stieß, ist ein Beweisdafür, daß der Verkehr in dieser ästhetischen Frage durchaus nichtindifferent ist; wenn dieses Stück sich noch viel weniger einbürgernkonnte als das silberne Zwanzigpfennigstück, so lag das vor allemdaran, daß dieses Stück in seltener Weise ein unschönes Gepräge undeinen unschönen Stoff vereinigte. Also auch nach dieser Richtung hinstellt der Verkehr gewisse Ansprüche an das Geld!

§ 6. Das Erfordernis der Einheitlichkeit des Geldwesens.

Den Erfordernissen, die sich aus den Aufgaben des Geldes ergeben,ist jedoch damit noch nicht Genüge geleistet, daß der Staat eine An-zahl von Geldsorten, welche Wertgrößen in verschiedenen Abstufungenrepräsentieren, in technisch zweckentsprechender Weise aus den ver-schiedenen in Betracht kommenden Geldstoffen fabriziert oder fabri-zieren läßt und dem Verkehr zur Verfügung stellt. Es bleibt vielmehrnoch ein Erfordernis von ganz besonderer Wichtigkeit zu erfüllen:die einzelnen Geldsorten müssen in ein einheitlichesSystem eingeordnet werden; sie müssen zu einander in bestimmtenund einfachen Wertverhältuissen stehen.

Das Geld kann seinen Aufgaben nur dann in vollkommener Weisegerecht werden, wenn es bei aller Verschiedenartigkeit seiner körper-lichen Erscheinungen eine in sich geschlossene Einheit bildet. BeiÜbertragungen aller Art ist es für jedermann von außerordentlicherWichtigkeit, jede Geldsorte, die er empfängt, für alle durch Geld zuerfällenden Zwecke zu demselben Werte, zu welchem er sie erhaltenhat, weitergeben zu können. Solange die einzelnen Geldsorten, ehesie zu Käufen, zu Zahlungen und Kapitalübertragungen Verwendungfinden können, selbst erst wieder in anderen Geldsorten bewertet oderzu wechselnden Kursen in andere Geldsorten umgesetzt werden müssen,sind die Vorteile der Verkehrsvermittelung durch das Geld nur in.beschränktem Maße gegeben: erst dann, wenn die einzelneu Geldsorten