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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.

in einfachen und unveränderlich festen Verhältnissen Bruchteile undVielfache einer und derselben Geldeinheit darstellen, und wenn sie sichinnerhalb des ein für allemal durch die Gesetzgebung gegebenenKähmens (Beschränkung der Zahlungskraft bei den Scheidemünzen usw.)bei der Zahlungsleistung nicht nur rechtlich, sondern auch tatsächlichin dem durch ihren Nennwert gegebenen Verhältnisse ebenso vollkommenvertreten können, wie die einzelnen Stücke der gleichen Sorten untersich, erst dann ist das Geld als Geld vollkommen, erst dann stehtes der Vielheit von Waren als die Einheit gegenüber, in der sich An-gebot und Nachfrage begegnet, gegen die alle Verkehrsgüter um-gesetzt werden und an der damit der Verkehrswert aller Güter seinMaß findet. In diesem vollkommenen Zustande des Geldwesens bautsich auf der Grundlage der in einer einzelnen Sorte verkörpertenWerteinheit ein rationell gegliedertes Kechnungssystem auf, dessenZahlenverhältnisse nach oben und unten ihre Verkörperung in denübrigen Geldsorten finden; dadurch erfährt sowohl der Gebrauch jedereinzelnen Sorte bei Übertragungen jeder Art, als auch die Handhabungder ganzen im Gelde bestehenden Verkehrseinrichtung für alle ihreZwecke die denkbar größte Erleichterung.

Es wurde im historischen Teile gezeigt, wie sehr bisher die Ent-wicklungsgeschichte des Geldes von dem Streben nach diesem Ideal-zustande beherrscht war und wie es erst in der modernen Geld Ver-fassung gelungen ist, die aus verschiedenen Geldstoffen bestehendenMünzsorten in einer den Bedürfnissen des Verkehrs entsprechendenZusammensetzung zu einem geschlossenen Systeme zu vereinigen.

Wir haben nunmehr diese Geld Verfassung in ihrem Wesen undhrem Aufbau, sowie in ihren nach außen weisenden Zusammenhängeneiner näheren Betrachtung zu unterziehen.

8. Kapitel. Die Geldsysteme.I. Teilabschnitt. Die Währungssysteme und ihre Einteilung.

§ 1. Der Begriff der Währung'.

Der grundlegende Begriff in der modernen Geldverfassung istder Begriff derWährung". Wir sprechen vonWährung" in denverschiedenartigsten Verbindungen; zunächst in Anlehnung an diewichtigsten Geldstoife von Goldwährung, Silberwährung, Papier-währung usw.; ferner mit Beziehung auf den Staat, dessen Geldwesenwir im Auge haben, von der deutschen, österreichischen, französischen,englischen, amerikanischen, indischen usw. Währung; schließlich inAnknüpfung an die dem Geldwesen zugrunde liegende Beclmungseinheitvon Markwährung, Talerwährung, Frankenwährung usw. Bei diesenverschiedenartigen Anwendungen des W'ortes drängt sich sofort die