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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.
der dem Systeme zugrunde gelegten Relation gänzlich auszuschließenwürde diese Erwartung zutreffen, so hätte man es bei diesem Systemein der Tat nicht mehr mit einer alternierenden Währung zu tun,sondern mit einem Systeme, bei dem der Wert des Geldes gleichzeitigmit beiden unter eineinander zu einer Werteinheit verbundenen Edel-metallen verknüpft wäre. Mit der Durchführbarkeit dieses Systemshaben wir uns an anderer Stelle zu beschäftigen.
§ 4. Die Unterarten der freien Währung.
Innerhalb des Kreises der freien Währungen haben wir fol-gende Arten zu unterscheiden:
1. Die einfache Papierwährung, bei welcher in Metallgeld nichteinlösbare Scheine, denen gegenüber das ursprüngliche Metallgeld einschwankendes Aufgeld genießt, zu ihrem Nennwerte gesetzliches Zah-lungsmittel sind und infolgedessen allgemein als Geld gebraucht wer-den. Der Wert der Geldeinheit unterliegt hier gegenüber dem Wertedes ihr ursprünglich zugrunde liegenden Metallquantums den fort-gesetzten, in dem Kurse des ursprünglichen Metallgeldes oder unmittel-bar in dem Preise des ursprünglichen Währungsmetalls zum Ausdruckkommenden Veränderungen. Nach unten hin ist bei der Papierwäh-rung die Schwankungsmöglichkeit des Geldwertes unbegrenzt, dasPapiergeld kann sich bis auf den Nullpunkt entwerten. Nach obenhin jedoch ist dem Geldwerte durch die nach wie vor freie Auspräg-barkeit des ursprünglichen Währungsmetalls eine Grenze gezogen:höher als bis zur Parität mit dem Metallgelde, auf welches die Scheinelauten, kann das Papiergeld nicht steigen, und der Wert des Metall-geldes kann seinerseits nicht höher sein, als der Wert des Währungs-metalls zuzüglich der Prägekosten.
2. Die Währungen mit gesperrter oder beschränkter Prägungdes ursprünglichen Währungsmetalls. Praktisch kommen nur solcheWährungen in Betracht, die ursprünglich auf dem Silber ruhten, beidenen jedoch der Geldwert durch die Einstellung der Silberprägungvon dem sich fortgesetzt entwertenden Silber unabhängig gemachtwurde.')
Bei diesen Systemen kann sich der Wert des geprägten Geldeswesentlich über den Wert des entsprechenden Quantums ungeprägtenMetalls erheben, da der Staat die Prägung nicht für jedermann undnicht für jedes beliebige Quantum von Edelmetall vornimmt. Bei
1) Bei der großen Steigerung der Goldproduktion und der enormen Geld-flüssigkeit, die um die Mitte der 90 er Jahre in Europa bestand, ist allerdings inenglischen Blättern der Gedanke einer Einstellung der Goldprägungen diskutiertworden. Die Anregung wurde aber nirgends ernst genommn, wenigstens nicht vonernsthaft zu nehmenden Leuten.