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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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8. Kapitel. Die Goldsysteme. L § 4.

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starkem Angebot des ungemünzten Metalls und starker Nachfragenach gemünztem Gelde muß hier der Wert des geprägten Geldesüber sein ursprüngliches Metalläquivalent steigen, wie das im ge-schichtlichen Teile an einer Reihe von Beispielen gezeigt worden istIm Gegensatz zu der einfachen Papierwährung, bei welcher die Be-wegungen des Geldwertes nach oben an dem ursprünglichen Metall-äquivalente der Geldeinheit eine feste Grenze haben, ist bei den hierin Eede stehenden Währungen nach unten eine feste Grenze gezogenin dem Metallgehalte des umlaufenden Geldes. Der Wert der indischenRupie konnte auch nach der Einstellung der freien Silberprägungniemals niedriger sein, als der Wert des in der Rupie enthaltenenSilbers, nur nach oben konnte er sich von. seinem Metalläquivalenteentfernen. Nach oben kann den Bewegungen des Geldwertes in einersolchen Währungsverfassung dadurch eine Grenze gezogen werden,daß die Prägung des Edelmetalls, das bisher nicht Währungsmetallwar, freigegeben und den aus diesem Metalle geprägten Münzen zueinem bestimmten Nennwerte neben dem alten Gelde gesetzliche Zah-lungskraft gegeben wird, oder durch komplizierte Maßregeln, die inihrer Wirkung auf dasselbe hinauskommen. So war z. B. die Möglich-keit einer Steigerung des holländischen Geldwertes nach Einstellungder Silberprägungen solange unbegrenzt, als nicht die Ausprägungeiner gesetzliches Zahlungsmittel darstellenden Goldmünze zu 10 Guldenfreigegeben war. Andrerseits ist bei der Einstellung der freien Silber-prägung in Indien der möglichen Steigerung des Rupienwertes dadurchvon vornherein eine bestimmte Schranke gesetzt worden, daß dieMünzstätten gleichzeitig mit der Einstellung der Süberprägung (Juni1893) Anweisung erhielten, gegen Einzahlung englischen Goldgeldes15 Rupien pro Sovereign zu verabfolgen; nunmehr konnte, mehr als6 Jahre vor der Verleihung der gesetzlichen Zahlungskraft an denSovereign (September 1899), der Wert der Rupie in Indien nicht höhersteigen, als auf Vis Pfd. Sterling = 16 d. Der Wert des indischenGeldes hatte demnach seine obere Schwankungsgrenze an dem Wertedes englischen Geldes, das seinerseits durch freie Prägung mit demGolde in Beziehung gesetzt ist.

Wenn der Wert des Geldes sich bei diesen Währungssystemendauernd auf seiner oberen Grenze hält, so erscheint hier praktisch dasGold ebenso als Grundlage des Geldwertes, wie das Silber bei einer Doppel-währung im Falle einer fortgesetzten Silberentwertung. Solange Gold-münzen als gesetzliches Zahlungsmittel noch nicht zugelassen sind, wiein Indien vor dem September 1899, ist bei diesen interessanten Bildungender Geldwert durch ein im tatsächlichen Geldumlaufe überhaupt nicht,vertretenes Metall bedingt, das Geldwesen stellt sich uns dar als eineGoldwährung ohne jedes Goldgeld.