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Das Geld / Von Karl Helfferich
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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.

453,593 g in Anwendung, im Münzwesen und Edelmetallhandel dasTroypfund" = 373,742 g.

DerMünzfuß" drückt aus, wieviel mal die Eechnungseinheitdes Geldsystems auf die Gewichtseinheit des Währungsmetalls geht. 1 ).Solange die Münze, welche die Rechnungseinheit darstellt, als voll-haltige Münze aus dem Währungsmetalle geprägt wird, wie früher dieTaler und Gulden der deutschen Silberwährung, stellt der Münzfußein einfaches Verhältnis dar. Der Münzfuß der Talerwährung warderDreißigtalerfuß", d. h. aus einem Pfunde feinen Silbers wurden30 Talerausgebracht"; und wenn das süddeutsche Münzsystem als5'2'/2 Guldenfuß",, das österreichische Münzsystem als45 Guldenfuß" be-zeichnet wurde, so war damit gesagt, daß aus je einem Pfunde Silber52 l l2 süddeutsche, bzw. 45 österreichische Gulden ausgebracht wurden.Bei den meisten neueren Geldsystemen wird jedoch die Rechnungs-einheit nicht in dem Währungsmetalle dargestellt. Die Rechnungs-einheit der deutschen Goldwährung, die Mark, wird dargestellt durcheine Silbermünze, obwohl sie ihren Wert vom Golde ableitet. Die Be-ziehung der geprägten Rechnungseinheit zum Währungsmetalle ist hierkeine körperliche mehr. Wohl aber leitet die Mark ihren Wert voneiner Goldmünze ab, die ihrerseits für den Münzfuß des deutschenGeldsystems maßgebend ist, nämlich von derjenigen Reichsgoldmünze,deren Ausprägung im ersten Paragraphen des ersten deutschen Münz-gesetzes angeordnet ist und deren zehnter Teil dieMark" ist, die aufGrund des ersten Artikels des Münzgesetzes von 1873 die Rechnungs-einheit der Reichswährung bildet. Da aus dem Pfunde Feingoldl39'/2 Zehnmarkstücke ausgebracht werden, so gehen 1395 Mark aufdas Pfund Feingold. Zwar werden aus dem Pfunde Feingold nichtetwa 1395 Markstücke ausgeprägt, aber Goldmünzen im Nennwertevon 1395 Mark. Der Münzfuß der Reichswährung ist mithin ein1395 Markfuß.

Diejenige Münze, von der sich die Rechnungseinheit ableitet, seies unmittelbar, indem die Münze die Verkörperung der Rechnungs-

1) Nach Knapp (S. 4S) soll der Münzfuß nur ausdrücken, wie viele Stücke einerund derselben Münzsorte aus der Gewichtseinheit des Münzmetalls herzustellen sind.Dadurch würde der Münzfuß lediglich zu einem anderen Ausdrucke für denabsolutenGehalt" der einzelnen Münzsorten. Aus dem absoluten Gehalte und der Bewertungin der Rechnungseinheit des Geldsystems ergibt sich dann nach Knapp derspezi-fische Gehalt", das ist der Gehalt auf die Rechnungseinheit Das, was Knapp unterspezifischem Gehalt" versteht, deckt sich also jedoch nur soweit Münzen aus demWährungsmetalle in Betracht kommen mit dem, was oben alsMünzfuß" be-zeichnet ist. Ich halte an der oben angewendeten Terminologie fest, da erstens einBedarf nach einem zweiten Ausdrucke für den absoluten Gehalt nicht vorliegt, und dazweitens die oben angewendete Terminologie sich mit der historischen Bedeutungdes Wortes Münzfuß in der deutschen Münzsprache (Dreißigtalerfuß etc.) deckt