Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
394
Einzelbild herunterladen
 

394 Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.

abgenutzten Sovereigns aufzurufen und auf Rechnung des Staates um-zuprägen.

9

§ 3. Die Arten der Geldschaffung; (freies Prägerecht nsw).

Die im vorigen Paragraphen besprochenen Bestimmungen über dieauszuprägenden Münzstücke und deren Beschaffenheit sind technischerNatur; sie besagen nur, mit welchen Tatbestandsmerkmalen in bezugauf den Metallgehalt die einzelnen Stücke, die Geld sein sollen, aus-gestattet sein müssen. Wie jedoch im historischen Teile gezeigtwurde, genügen technische Vorschriften über die Ausstattung dereinzelnen Münzsorten keineswegs, um diese unter sich, und dazu nochmit den in keiner modernen Geldverfassung fehlenden Papierscheinen,zu einem einheitlichen Systeme zusammenzufassen, sowie die Wertbe-ziehungen zwischen Geld und Geldmetall zu bestimmen. Die tech-nischen Vorschriften bedürfen vielmehr zu ihrer Ergänzung einerReihe von Rechtssätzen, welche die Bedingungen der Umwandlungvon Metall in Geld, sowie die rechtliche Ausstattung der einzelnenGeldsorten und deren gegenseitige Beziehungen ordnen.')

In keiner modernen Geldverfassung ist ein Metall, geschweigedenn ein anderer Stoff, ohne weiteres Geld oder ohne weiteres in Geldverwandelbar; vielmehr hat der Staat allein das Recht der Geld-schaffung, sei es, daß er dieses Recht direkt, sei es, daß er es durch

1) Knapp unterscheidet piatische, genetische und dromische Beziehungenzwischen Geld und Metall; den sich daraus ergebenden Unterscheidungen der ein-zelnen Geldarten fügte er einefunktionelle Einteilung" hinzu.

Diepiatischen Beziehungen" sind diejenigen, die ausschließlich die Be-schaffenheit der das Geld darstellendenPlatten" erfassen, also die oben im vor-hergehenden Paragraphen besprochenen rein technischen Momente.

Diegenetischen Beziehungen" sind gegeben in der Art der Entstehung desGeldes aus Metall. Die aus der freien Umwandelbarkeit eines Metalls (Hyle") ent-stehenden Geldarten nennt Knapphylogenisch"; der Gegensatz dazu ist dasauto-genische Geld"; die hier in Betracht kommenden Gesichtspunkte werden oben indem Paragraphen über die Arten der Geldschaffung behandelt.

Bei dendromischen Beziehungen" handelt es sich um die Frage, ob ein Metallin dem Gelde einen festen Preis oder Kurs (Dromos") hat oder nicht, also um diein dem folgenden Paragraphen über die Wertbeziehungen zwischen Geld und Metalldargestellten Verhältnisse.

Die funktionelle Einteilung schließlich befaßt sich mit der Stellung und demgegenseitigen Verhältnisse der zu einem einheitlichen Geldsysteme zusammengefügtenverschiedenen Geldarten.

Die von Knapp gegebene Analyse der Geldarten und der Geldverfassung er-hebt sich weit über alle bisher auf diesem Gebiete gemachten Versuche. Sie bringtKlarheit und Ordnung in eine Reihe bisher verschwommener und verworrener Be-griffe; keine Darstellung der Geldlehre wird künftig an den KNAPPSchen Ergeb-,nissen vorbeigehen können, auch wenn man diese, wie der Verfasser, nicht ohneweiteres und nicht in allen Einzelheiten und Konseqnenzen übernimmt.