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Das Geld / Von Karl Helfferich
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Zweites Buch. III. Abschuitt Die Geldverfassung.

der Einlieferer von Barrensilberspruchen hatte. Mit

44,55

44,55 Fl. pro Pfund fein zu bean-Pfund Feinsilber konnte also auch in der

Papierwährungsära jedermann sich gesetzliches Zahlungsmittel für denBetrag eines Guldens verschaffen; der Gulden schlechthin, auch derPapiergulden, konnte mithin, solange das freie Prägerecht für Silber

fortbestand, niemals mehr wert sein als - ; * - Pfund Feinsilber.

44,5o

Diese im Metalle Silber gegebene obere Grenze für den Wert desGuldens österreichischer Währung war lange Zeit hindurch rein theo-retisch; denn, wie wir wissen, war der Papiergulden bis 1878/79 stetserheblich weniger wert als sein ursprüngliches Silberäquivalent, manmußte für das Pfund Femsilber erheblicp mehr bezahlen als 44,55Gulden österreichischer Währung. Der Silbergulden erhielt ein schwan-kendes Aufgeld und wurde damit für den Wert des österreichischenLandesgeldes bedeutungslos. Die im Metalle Silber gegebene obereGrenze wurde jedoch praktisch infolge der Silberentwertnng. Wäh-rend der im Gelde der Goldwährungsländer ausgedrückte Silberpreiszurückging, blieb das Verhältnis zwischen dem österreichischen Papier-gelde und dem Gelde der Goldwährungsländer ziemlich stabil, wasnatürlich in einem Eückgange des Silberpreises auch in der öster-reichischen Währung zum Ausdruck kommen mußte. Schließlich er-reichte der rückläufige Silberpreis in österreichischem Gelde den derfreien Prägung für Silber zugrunde liegenden Satz, womit gleichzeitigauch das Aufgeld des Silberguldens verschwand. Der österreichischeGeldwert hatte seine infolge der freien Silberprägung durch ein be-stimmtes Silberquantum gegebene obere Grenze erreicht. Wenn nundas Wertverhältnis zwischen Gold und Silber sich weiter zu Un-gunsten des letzteren, verschob, der im Gelde der Goldwährungsländerausgedrückte Silberwert also weiter zurückging, so mußte bei Fort-bestand der freien Silberprägung in Österreich-Ungarn die Aufrecht-erhaltung der relativen Stabilität zwischen der österreichischen Wäh-rung und den Goldwährungen unmöglich werden, vielmehr mußte einweiterer Rückgang des Silberpreises auch den Kurs des österreichischenGeldes schlechthin im Gelde der Goldwährungsländer entsprechendherabdrücken; denn solange die freie Prägung für Silber bestand,konnte der österreichische Gulden schlechthin einerlei ob Silber-

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oder Papiergulden niemals höher werten als *r~= Pfund Fein-

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silber. Um diese obere Wertgrenze, die auf die Goldwährungen pro-jiziert eine stark sinkende Tendenz zeigte, zu beseitigen, gab es nurein Mittel: die Aufhebung der freien Silberprägung; und dieses Mittelwurde im Jahre 1879 angewendet.