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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.
gehalt überschreitenden Geldwert ableitete. Man verfiel deshalb auf diesonderbare Erklärung, daß der Wert des Silberguldens nur durchseine Verknüpfung mit dem Papiergulden über seinen Metallwert ge-hoben worden sei. ohne sich Kechenschaft darüber zu geben, durchwelche Verknüpfung der Papiergulden über seinem Papierwerte ge-halten werde. 1 )
Wir haben mithin bei dem unterwertigen Gelde folgende Artenzu unterscheiden:
1. ünterwertiges Geld, das seinen Geldwert von einem vollwertigenGelde ableitet und zwar
a. durch bloße Verleihung der Geldqualität zu einem bestimmtenNennwerte, ■
b. durch zusätzliche Verleihung eines dem beigelegten Nennwerte .entsprechenden Forderungsrechtes auf vollwertiges Geld;
2. ünterwertiges Geld, dessen Geldwert kein abgeleiteter, sondernein selbständiger ist und ausschließlich auf seinem Charakter als ge-setzliches Zahlungsmittel beruht.
Die unter la und b genannten Arten ergänzen das vollwertigeGeld in den gebundenen Währungen; die unter 2 genannte Art bildetdas Geld in den freien Währungen. —
Diese Klarstellung des Verhältnisses zwischen Kreditgeld und unter-wertigem Gelde zeigt, daß die Merkmale der Einlösbarkeit und derUnterwertigkeit sich keineswegs decken. Knapp legt nun den größtenWert darauf, daß ganz allgemein und prinzipiell die „funktionellen"Unterscheidungen der Geldarten nach dem Grade ihrerZahlungskraft und ihrer Einlösbarkeit durchaus von der„genetischen" und „dromischen" Unterscheidung unabhängig seien,daß also weder der Grad der Zahlungskraft, noch die Einlösbarkeitoder Uneinlösbarkeit bestimmt werde durch die Art der Wertbe-ziehungen zwischen dem Gelde und dem Geldstoffe (Vollwertigkeit.Unter Wertigkeit etc.) Er exemplifiziert dabei auf die unbestreitbarenTatsachen, daß vielfach ünterwertiges Silbergeld mit beschränkterund gesperrter Prägung, sowie Papierscheine unbeschränkte gesetz-liche Zahlungskraft besessen haben und besitzen, daß derartigesGeld mitunter einlösbar (provisorisches Geld), mitunter auch unein-lösbar (definitives Geld) ist. Die begriffliche Unabhängigkeit der ein-zelnen Unterscheidungen darf uns jedoch nicht verleiten, darüber hin-weg zu sehen, daß es meist ganz bestimmte Kombinationen der ausden verschiedenen Gesichtspunkten sich ergebenden Merkmale sind,auf denen sich die Geldsysteme aufbauen. Über der von Knapp zum
1) Vgl. Lex«, Artikel -Papiergeld" im Handwörterbuch der Staatswissenschaften.2. Aufl., Bd. VI. S. 17; dazu meine Schrift 'überdie Folgen des deutsch -österreichischenMiinzvereins, S. 102.