Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
420
Einzelbild herunterladen
 

420 Zweites Buch. III. Abschnitt Die Geldverfassnug.

Silbergeldes innerhalb des Geldsystems entschied, sondern das Wertver-hältnis der Edelmetalle im freien Verkehr. Solange das Silber im freienVerkehr gegenüber dem Golde niedriger bewertet wurde als in der Re-lation, die der französischen Doppelwährung zugrunde lag,, strömte wie im historischen Teile (oben S. 14t ff.) gezeigt wurde das Silbermassenhaft in den französischen Verkehr ein, und es entstand ein Agio aufdie Goldmünzen. Das Silbergeld füllte also nicht nur ganz unab-hängig von dem Verhalten der Staatskassen die Kanäle des Um-laufs aus, sondern wurde auch, da es im Gegensatz zum Goldgelde zuseinem Nennwerte gegeben und genommen wurde, bestimmend für dieWerteinheit des französischen Geldsystems. Später, als nach denkalifornischen Goldfunden das Wertverhältnis zwischen den beidenMetallen sich ungünstiger für das Gold gestaltete, war die Folge, daßeinerseits das Gold in großen Mengen in den französischen Verkehr ein-drang, andrerseits das Silbergeld zum großen Teil abfloß, und, soweites in Frankreich blieb, ein Aufgeld erhielt, während das Goldgeldnunmehr zu seinem Nennwerte zirkulierte. Die Gründe sind obenausführlich dargelegt. Hier ist nur festzustellen, daß das ab-wechselnde Herausfallen des Goldgeldes und des Silbergeldes ausder gesetzlichen Wertordnung des Geldsystems und die abwechselndeAbleitung der Werteinheit vom Silber und vom Golde nicht durch einenWillensakt der französischen Staatsverwaltung und das Verhalten derstaatlichen Kassen herbeigeführt worden ist, sondern durch Verkehrs-tatsachen, die auf Grund des bimetallistischen Systems so und nichtanders wirken mußten. Auch der Staat zahlt im allgemeinen mit demGelde, das er hat; und beim bimetallistischen Systeme führte ihm derVerkehr jeweilig das Silbergeld zu, wenn in dem Wertverhältnisse desinternationalen Edelmetallmarktes das Silber billiger war, als dergesetzlichen Relation der französischen Doppelwährung entsprach.

Wir konstatieren hier also in einem besonders wichtigen und lehr-reichen Falle, daß für das Abwechseln zweier definitiven Geldartenin der für die Werteinheit maßgebenden Stellung das Verhalten derstaatlichen Kassen bei den von ihnen zu leistenden Zahlungen nichtentscheidend war, daß vielmehr dieses Verhalten abhing von den inWahrheit entscheidenden Verkehrstatsachen.

Wenn wir uns nun zu dem zweiten der oben genannten beidenFälle wenden, daß nämlich der Gleichwert zwischen zwei odermehreren definitiven Geldarten erhalten bleibt, so ist zu prüfen, wo-rauf diese Erhaltung beruht und inwieweit etwa das Verhalten derstaatlichen Kassen bei der Zahlungsleistung dabei mitwirken kann.

Wir haben oben gesehen, daß das sicherste Mittel zur Erhaltungdes Gleichwertes zwischen zwei Geldjirten verschiedenen Stoffes dieEiulösbarkeit des stofflich weniger wertvollen in dem stofflich wert-