Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
423
Einzelbild herunterladen
 

8. Kapitel. Die Geldsysteme. II. § 6.

423

Geldwert schlechthin jedenfalls nicht geringer sein, als dem stofflichenGehalte der stofflich wertvollsten Geldart entspricht; wenn diese Geld-art frei ausprägbar ist, so steht die Geldeinheit schlechthin zu demfrei ausprägbaren Metalle in demselben festen Verhältnisse, wie die ausdiesem Metalle im Wege der freien Prägung hergestellte Geldart.

§ 6. Unterwertiges Geld in der Goldwährung und Silberwiihrung.

Wir haben gesehen, daß kein Geldsystem ohne eine Mehrheit vonGeldstoffen, oder was gleichbedeutend ist ohne unterwertigesGeld auskommen kann, und daß die ganze Kunst der Konstruktionder Geldsysteme darin besteht, ein Auseinanderfallen der stofflichverschiedenen Geldarten zu verhindern.

Es liegt nun in der Natur der Sache, daß die Silberwährung miteinem wesentlich geringeren Maße von unterwertigen Münzen aus-kommen kann als die Goldwährung. Während bei der Goldwährungnur Stücke von relativ hohem Werte in dem Währungsmetalle undsomit als vollwertige Münzen ausgeprägt werden können, ist es beider Silberwährung möglich, sehr kleine Beträge in vollwertigen Münzendarzustellen. Eine Goldmünze im Werte von weniger als 10 Markoder bestenfalls 10 Franken ist bereits zu klein für die Ansprüchedes Verkehrs, ein annähernd vollwertiges silbernes Zwanzigpfennig-stück dagegen würde an Größe und Gewicht fast genau unseremFünfzigpfennigstücke entsprechen und mithin ein ganz brauchbaresGeldstück sein. Freilich machen bei der Silberwährung die verhältnis-mäßig sefir viel höheren Prägekosten der kleinen Stücke aus fiskali-schen Gründen eine unterwertige Ausprägung der kleinen Silbermünzennotwendig, sodaß z. B. bei der Talerwährung die Silbermünzen vom2 l h Groschenstück abwärts, bei der Guldenwährung die Silbermünzenvom 6 Kreuzerstück abwärts als unterwertige Scheidemünzen aus-geprägt wurden. Während aber bei der Silberwährung auch in Berücksichtigung dieses Um Standes die Münzen etwa bis zum Fünfzig-pfennigstücke herab vollwertig ausgeprägt werden könnten, müssen beieiner Goldwährung die unterwertigen Scheidemünzen den ganzenRaum unterhalb etwa des Zehnmarkstückes einnehmen.

Diesem Vorzuge der Silberwährung steht jedoch ein wesentlicherNachteil gegenüber. Bei der Goldwährung kann das Silber als Hilfs-metall in einem seinem relativen Werte entsprechenden Umfange benutztwerden; die Silbermünzen können dem Münzsysteme eingefügt werdenals Scheidemünzen, als unterwertiges Geld mit beschränkter Zahlungs-kraft, in der Weise, daß ihnen ein bestimmter von den Goldmünzenabgeleiteter Nennwert gesichert ist. Dagegen ist es unmöglich, Gold-münzen in ähnlicher Weise in das System einer Silberwährung ein-zufügen.