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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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S. Kapitel. Die Geldsysteine. II. § 7.

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Wicklung ergebenden Bedenken, die im Währungsstreite zeitweise einegroße Eolle gespielt haben, zn prüfen und mit den Aufwendungenzu vergleichen, die eventuell zur Abstellung des Mißstandes gemachtwerden müßten.

Das erste Bedenken ist folgendes.

Man hat die Befürchtung ausgesprochen, unsere Silbermünzenmöchten, da ihr Silbergehalt so weit hinter ihrem Werte als Geldzurückbleibt, in betrügerischer Weise in ihrem richtigen Feingehalte undGewichte nachgeprägt werden. Da man jetzt bereits für 6265 Markein Kilogramm Silber kaufen kann, aus dem 200 Einmarkstücke her-gestellt werden können, wäre bei einer solchenechten Nachprägung"in der Tat ein ganz außerordentlicher Gewinn zu machen, und manhat behauptet, die durch solche Gewilmmöglichkeiten geschaffene Ver-suchung sei zu groß, als daßechte Nachprägungen" nicht in erheb-lichem Umfange stattfinden sollten.

Gegenüber dieser Befürchtung ist jedoch zu erwähnen, daß solcheNachprägungen, wenn sie sich nicht bereits durch mangelhaftes Ge-präge verraten sollen, nur mit sehr komplizierten Maschinen, mit be-deutendem Kapital und mit einer Anzahl von Arbeitern und Gehilfen,also mit einer Anzahl von Mitwissern, hergestellt werden können. Einsolcher Betrieb könnte unmöglich lange verborgen bleiben. Tatsächlichhat man, in Deutschland wenigstens, bisher noch keine größeren Versuchedieser Art festgestellt; trotz des niedrigen Silberpreises haben dieFalschmünzer bei dem großen Bisiko ihres Gewerbes überall durchdie Verwendung geringwertiger Legierungen zu profitieren gesucht.Jedenfalls ist und das haben die Regierungsvertreter in der deutschenSilberkoimnission von 1894 ausdrücklich anerkannt die Gefahr derFälschung von Papiergeld und Banknoten bei dem heutigen Stande derVervielfältiguugstechnik beträchtlich größer, als die Gefahr der echtenNachprägung von Silbermünzen.

Von erheblicherer Bedeutung ist ein zweites Bedenken.

Wir wissen, daß kein Geldsystem ohne unterwertiges Geld aus-kommen kann, daß aber jedes unterwertige Geld für Zeiten politischeroder wirtschaftlicher Katastrophen die Gefahr eines Auseinanderfallensdes Geldsystems in sich schließt. Die hier vorliegende Gefahr ist umso größer, je stärker die Unterwertigkeit ist und je mehr der Umlaufunterwertigen Geldes den Verkehrsbedarf übersteigt. Auf Grunddieser allgemein anerkannten Wahrheiten hat man in den Zeiten desKampfes um die deutsche Goldwährung namentlich aus der Gestaltungdes deutschen Silberumlaufs bei der politisch exponierten Situation unseresVaterlandes große Gefahren für einen Kriegsfall herzuleiten gesucht. 1 )

1) Vgl. insbesondere Adox.ph Wagner, Die neueste Silberkrisis und unserMiinzwesen. 1894.