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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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8. Kapitel. Die Geldssyteme. II. § 7.

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können. Es ist eine bekannte Erfahrung, daß uneinlösbares Papier-geld das vollwertige Geld, das ein Agio genießt, aus dem Umlaufe ver-drängt; letzteres wird zurückgehalten in der Spekulation auf eine weitereSteigerung seines Aufgeldes, und es wird eingeschmolzen und exportiert.Wenn das kleine und mittlere Geld vollwertig ist, dann unterliegt esdenselben Gesetzen, wie zahlreiche Erfahrungen beweisen. Österreich ,das vor 1848 Silberwährung und damit auch vollwertig ausgeprägtekleine Münzen hatte, verlor, als die Revolution den Zwangskurs unddie Uneinlösbarkeit seines Papiergeldes herbeiführte, sein kleines Geldin dem Maße, daß mit der Unmöglichkeit der Zahlungsleistung dergesamte Kleinverkehr in die schwierigsten Verhältnisse kam. Nochim letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hat Italien eine ähnlicheErfahrung gemacht. Sein Silbergeld ist zwar nicht vollwertig, aberes wurde auf Grund des Lateinischen Münzvertrages an den KassenFrankreichs, der Schweiz und Belgiens im Gleichwert mit dem Gold-gel de in Zahlung genommen; darin änderte sich nichts, auch als zuBeginn der 90 er Jahre ein Rückgang der italienischen Valuta eintrat.Die Folge war, daß das italienische Silbergeld in großen Massennach den übrigen Frankenländern abfloß, wo es mehr galt,als seinem Nennwerte in italienischem Papiergelde entsprach. Werdamals, etwa im Jahre 1893, in Italien reiste, dem wird die darausentstandene grenzenlose Verwirrung stets im Gedächtnisse bleiben. Außerden Banknoten, deren kleinste auf 50 Lire lautete, war fast nur nochKupfergeld im Verkehr, sodaß sich der Staat genötigt sah, kleinePapierscheine zu 1, 2 5, 10 und .25 Lire auszugeben. Um sein Silber-geld wieder zu bekommen, mußte Italien die übrigen Münzbundstaatenersuchen, das italienische Silbergeld von der Annahme an ihren Kassenauszuschließen und ihm dadurch die Garantie des Gleichwertes mitdem vollwertigen Goldgelde zu entziehen. Erst nachdem das italienischeSilbergeld im Auslande genügend diskreditiert und nachdem seineUnterwertigkeit für jedermann klar gemacht war, konnte es dieitalienische Regierung wagen, wieder Silber in den Verkehr zubringen und dagegen die häßlichen und unappetitlichen kleinen Scheineeinzuziehen.

Es ergibt sich daraus, daß die Unterwertigkeit des Silbergeldesgerade für den Fall einer Erschütterung der Währungsverhältnisse,wie sie bei dem heutigen Stande des Geldwesens nur von den papiernen Um-laufsmitteln ausgehen kann, eine gewisseSicherhe.it gegen Störungen gibt.

Auch wenn man die mit der Unterwertigkeit des Silbergeldesverbundenen Bedenken beträchtlich höher veranschlagt, als es hiergeschehen ist, bleibt die Frage, ob die Mittel zur Abhilfe im Verhält-nis zu den Gefahren und Kosten stehen.

Ein radikales Mittel zur Abhilfe wäre die völlige Änderung