Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
447
Einzelbild herunterladen
 

9. Kapitel. Die internationale Geldverfassung. § 3.

447

Zahlung transportiert werden müßte. Desgleichen ist es für denjeni-gen, der auf Grund eines Verkaufs von Waren oder irgend einer an-deren Transaktion im Auslande die Verfügung über eine bestimmteSumme ausländischen Geldes hat und dieses ausländische Geld gegeninländisches umzusetzen wünscht, wesentlich bequemer und billiger, seinVerfügungsrecht über das ausländische Geld in Form einer kurzfristi-gen Anweisung zu verkaufen, als das ausländische Geld nach dem In-lande kommen zu lassen und es dort in Gestalt effektiver Münzen oderScheine gegen inländisches Geld zu veräußern. Die kurzfristigen An-weisungen, die für den Zahlungsverkehr von Land zu Land so gutwie ausschließlich in Betracht kommen, sind der Wechsel und nebenihm in neuerer Zeit in gewissem Umfange auch der Scheck. Bei derüberragenden Bedeutung des Wechsels im internationalen Zahlungs-verkehr werden in der Literatur des Geldwesens die Kursverhältnissezwischen den verschiedenen nationalen Valuten meist schlechthin als dieauswartigen Wechselkurse" bezeichnet und behandelt, währendes richtiger wäre, die Gesamtheit der hier in Betracht kommendenErscheinungen, von denen die ausländischen Wechselkurse nur einenTeil-allerdings den weitaus wichtigsten Teil bilden, nach dem Vor-bilde Knapps unter der Bezeichnungintervalutarische Be-ziehungen" zusammenzufassen.

Ehe wir nun auf die Besonderheiten der Wechselkursschwankun-gen eingehen, sei die Bedeutung des Wechsels im internationalenZahlungsverkehr noch etwas näher beleuchtet.

Der Wechsel wird im internationalen Verkehr als Mittel zurAusgleichung von Zahlungen und zur Ersparung von Bargeldsendungenaus einem Lande in das andere'benutzt. Folgendes Beispiel mag zurErläuterung dienen. Eine deutsche chemische Fabrik hat Farbstoffenach England verkauft und hat den Gegenwert von dort zu empfangen;gleichzeitig hat eine deutsche Spinnerei in England Baumwolle ge-kauft und schuldet den Betrag dem englischen Händler. Um die Sen-dung von Metallgeld nach England , die Transport- und Versicherungs-kosten verursachen würde, zu vermeiden, läßt sich die deutsche Spinnereivon der chemischen Fabrik deren Forderung an den englischen Färberübertragen; das geschieht in der Form, daß die Fabrik auf ihrenenglischen Abnehmer einen Wechsel zieht und diesen an die Spinnereiverkauft. Die deutsche Spinnerei bezahlt nun den englischen Baum-wollhändler mit diesem Wechsel, der Baumwollhändler präsentiert ihnseinem Landsmanne, dem Färber, zur Einlösung und macht sich aufdiese Weise in barem Gelde für seine Baumwolle bezahlt. Der Vorteilder Manipulation besteht darin, daß an die Stelle zweier kostspieligerBargeldsendungen (von England nach Deutschland und umgekehrt)