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9. Kapitel. Die internationale Geldverfassung. § 3. 449
geld von einem Lande in das andere verknüpft sind: also Fracht, Ver-sicherung, Kommission etc.
Aber die Schwankungen der Wechselkurse um die Parität habenan der Bestimmtheit derjenigen Faktoren, welche die Abweichungenvon der Parität möglich machen, ebenso ihre Grenzen, wie die Schwan-kungen im Kurse effektiven Geldes. Man zahlt allenfalls mehr alsden Parikurs oder gibt sich mit weniger zufrieden, um die Kostender Barsendung usw. zu vermeiden. Sobald aber der Wechselkursso hoch über die Parität gestiegen oder unter die Parität gesunkenist, daß die Abweichung allen aus der Barsendung und etwaigen Um-wandlung erwachsenden Kosten gleichkommt, ist ein weiteres Steigenoder Fallen der Wechselkurse unmöglich, weil eben dann niemandmehr einen Wechsel kaufen oder verkaufen, vielmehr jedermann zurRegulierung in Metallgeld greifen würde.
Die beiden Grenzkurse, bei denen der Bezug oder die Versendungvon Bargeld anfängt lohnend zu werden, nennt man die „Goldpunkte".Neigen sich die Wechselkurse dem Goldpunkte zu, der den Bezug vonGold aus dem Ausland ermöglicht, so spricht man von „günstigen uWechselkursen, und diesen Goldpunkt selbst nennt man den „Goldpunktfür" das betreffende Land; im umgekehrten Falle spricht man von„ungünstigen" Wechselkursen und vom „Goldpunkte gegen" das be-treffende Land. Diese Terminologie ist alt; sie stammt aus der Zeitder merkantilistischen Anschauung, die in der Zufuhr von Edel-metall das letzte Ziel des auswärtigen Handels erblickte.
Ob die günstigen Wechselkurse gegenüber der Parität, nied-riger oder höher sind, hängt von der Art der Notierung derauswärtigen Wechselkurse ab. In Deutschland und in den meisten*anderen Ländern werden die Wechselkurse in der Weise notiert,daß angegeben wird, wie viel inländisches Geld für einen bestimmtenBetrag ausländischen Geldes gezahlt wird, z. B. wieviel Mark für100 Franken oder wieviel Mark für ein Pfund Sterling. Bei dieserArt der Notierung sind günstige Wechselkurse gleichbedeutendmit niedrigen, ungünstige gleichbedeutend mit hohen Wechselkursen:je niedrige)' der Preis ist, der für ausländische Wechsel er-zielt wird, desto mehr nähert man sich dem Punkte, bei welchem esdie Inhaber der Wechsel vorziehen, sie im Auslande zur Einlösungzu präsentieren und den Betrag in Metallgeld kommen zu lassen; jehöher andrerseits der Kurs steigt, desto mehr nähert man sich demPunkte, bei dem es diejenigen, welche Zahlungen nach dem Auslandezu leisten haben, vorziehen, Bargeld nach dem Auslande zu versenden. —In England dagegen werden die ausländischen Wechselkurse in derWeise notiert, daß der Kurs jeweils anzeigt, wieviel fremdes Geld,z. B. wieviel Mark oder wieviel Franken, man für 1 Pfd. .Sterling er-
Helfpbrich, Das Geld. 29