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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
452
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452 Zweites Buch. HL Abschnitt. Die Geldverfassung.

aus den bei ihr stehenden Giroguthaben usw. auf Verlangen in Gold-geld zu seinem Nennwerte bewirkt, ob sie Wechsel auf Verlangen inGoldgeld diskontiert usw., oder ob sie von ihrem Rechte derZahlung in Silbergeld in der Weise Gebrauch macht, daß sie sagt:ich bin berechtigt, in Silbergeld zu zahlen; wenn du auf Zahlung inGoldgeld Wert legst, so mußt du dir einen kleinen Abzug gefallenlassen, ich berechne für Goldzahlung eine Prämie. Die Politik derunbedingten Goldzahlung ist jederzeit von der deutschen Reichsbankbefolgt worden; die Politik der Berechnung einer Goldprämie wirdzeitweise von der Bank von Frankreich gehandhabt.

Es ist hier nicht der Platz, in eine eingehende Würdigung dieserbeiden viel umstrittenen Systeme einzutreten; eine solche ist nurmöglich in Verbindung mit der Darstellung der Grundzüge der Dis-kontpolitik, die dem zweiten Bande dieses Werkes vorbehalten bleibenmuß. Hier ist lediglich festzustellen, daß, wo eine Prämie auf Golderhoben wird, diese Prämie als ein weiterer Zuschlag zu den Versen-dungs- und Umwandlungskosten von Metallgeld hinzutritt, und zwarals Kosten der Beschaffung exportfähigen Metallgeldes. Der Spielraumder Wechselkursschwankungen erfährt dadurch eine Erweiterung.Das Verhalten der französischen Wechselkurse ist der praktische Be-weis dafür; während die Versendungs- und Umwandlungskosten vonGoldgeld zwischen Frankreich einerseits, England und Deutschland andrerseits höchstens auf 0,4 oder 0,5 Prozent zu berechnen sind,haben sich die Wechselkurse zwischen Frankreich und den beidengenannten Ländern zeitweise um mehr als ein volles Prozent von derParität entfernt.

Indem wir uns mit der Frage des Spielraumes der Wechsel-kursschwankungen bei den Ländern mit gebundenen Währungen be-schäftigen, mußten gleichzeitig die Ursachen dieser Schwankungenangedeutet werden: die Veränderungen des Verhältnisses von Ange-bot und Nachfrage nach Zahlungsmitteln für das Ausland, welches Ver-hältnis seinerseits auf derinternationalen Zahlungsbilanz"beruht. Über die Bestimmungsgründe der Zahlungsbilanz, von derenGestaltung die Versorgung der einzelnen Volkswirtschaften mit Metall-geld im wesentlichen abhängt, wird an anderer Stelle ausführlicher zusprechen sein.

§ 4. Die Valutaschwankungreil im Verhältnisse von Gold- und Silberwührung-en.

In dem Verhältnisse der auf derselben Metallgrundlage be-ruhenden gebundenen Valuten können, solange beiderseits die Wäh-rungsverfassung aufrecht erhalten b.aibt, auch die stärksten Schwan-kungen der Zahlungsbilanz nur die geringfügigen durch die beidenGoldpunkte begrenzten Bewegungen hervorrufen, während die Pari-