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Das Geld / Von Karl Helfferich
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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.

durch die Zahlungsbilanz eines Silberlandes steht gegenüber, daß dieaus einer Vielheit von Ursachen hervorgegangene Wertrelationzwischen Gold und Silber innerhalb der engen, durch die Kosten derMetallsendung gegebenen Grenzen bestimmend ist für die Wechsel-kurse der Silberländer. Es liegt hier also eine eigenartig bedingteWechselwirkung vor.

Neuerdings hat Knapp den Versuch gemacht, das hier vorliegendeVerhältnis in einem andern Lichte erscheinen zu lassen. Er sprichtden industriellen Faktoren, die auf die Preisbildung des Silbers ein-wirken können (Produktionsverhältnisse, Nachfrage für industrielleZwecke) nicht jede Bedeutung ab, sieht aber den bestimmenden Faktorfür den Silberpreis in den Valutakursen der Silberländer, von 1S71bis 1893 hauptsächlich in dem Kurse der indischen Rupie. Wahrendwir sagen: das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber wird zwarvon der Zahlungsbilanz eines jeden einzelnen der Silberländer, diegleichzeitig deren Wechselkursen eine Tendenz nach oben oder untengibt, beeinflußt; das Wertverhältnis selbst, wie es sich aus der Viel-heit der industriellen und monetären Faktoren tatsächlich in jedemAugenblicke stellt, ist aber von entscheidender Bedeutung, für denWechselkurs der Silberländer, stellt Knapp die These auf: dasWertverhältnis zwischen Gold und Silber wird bestimmt durch denValutakurs der Silberländer, Änderungen in den Produktionsverhält-nissen und dem industriellen Absätze können nur in bescheidenemUmfange modifizierend einwirken und auch das nur insoweit, als siedie Zahlungsbilanz und damit den Wechselkurs der Silberländer be-einflussen und durch diesen wirksam werden.

Knapp führt für seine These insbesondere ins Feld, daß seit1871 und noch mehr seit 1876 sowohl die indische Rupie alsauch der mexikanische Peso auspantopolischen" Gründen dasheißt aus Gründen der Gesamtheit der merkantilen Beziehungendieser Länder, wie sie in der Zahlungsbilanz zum Ausdruck kommen, gesunken sei, ganz unabhängig von der Preisentwicklung desSilbers; der Silberpreis sei also in jener Zeit zurückgegangen,weil der Rupienkurs ins Weichen kam, und zwar sei er demRupienkurs gefolgt, weil dieser ihm stets eine untere Grenze ge-setzt habe. Den Beweis für diesen Zusammenhang will Knapp inden Vorgängen des Jahres 1893 sehen. Der Rupienkurs, der in jenemJahre zu der Zeit, als die Einstellung der freien Rupienprägung er-folgte, auf etwa 15 d stand, habe sich infolge der Sperrung derSiiberprägung nicht etwa gehoben, sei vielmehr weiter bis auf 13 und12 d zurückgegangen. Darüber hätten die meisten Schriftsteller ihrErstaunen ausgesprochen.Wir aber teilen dies Erstaunen nicht.Denn wir glauben ja, daß der Rupienpreis aus pantopolischen Gründen