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Das Geld / Von Karl Helfferich
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9. Kapitel. Die internationale Geldverfassung. § 4.

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gefallen sei; wenn also solche Gründe weiterbestanden und das istallerdings noch nachzuweisen, weshalb sollte dann die Sperrungder indischen Münzstätten den Kurs' der Rupie gehoben haben ?Daß dieser Kurs sich nidit hob, steht ja außer aller Frage. Undgerade daraus schließen wir, daß an dem Sinken des Kurses derRupie nicht das Silber schuld war, das aus irgend welchen Gründenan und für sich billiger geworden wäre und den Rupienkurs mit hin-untergedrückt hätte. Es lag vielmehr umgekehrt." (a. a. 0., S. 234.)

Stellen wir gegenüber dieser Argumentation zunächst einmal denTatbestand fest:

Es ist richtig, daß aus verschiedenen gewichtigen Gründen dieindische Zahlungsbilanz jedoch nicht erst von 1871 oder 1876, sondernschon von etwa 1866 an sich nicht unerheblich ungünstiger gestaltete,als in dem vorhergegangenen Jahrzehnt. Das ist im einzelnen obenauf den Seiten 207209 eingehend dargelegt. Es ist auch ohne weitereszuzugeben, daß der aus der ungünstigeren Gestaltung der indischenZahlungsbilanz sich ergebende Rückgang der monetären Silbernach-frage für Indien einen sehr bedeutenden Einfluß auf die Gestaltungdes Wertverhältnisses zwischen Silber und Gold ausgeübt hat; diesist auch nie bestritten, sondern von Soetbeees Zeiten an ganz allge-mein in der Geldliteratur vertreten worden. Nur ist gegenüber Knappfolgende Einschränkung zu machen. Die indische Zahlungsbilanz warin der hier in Betracht kommenden Zeit nicht etwa absolut ge-nommen ungünstig, sondern nur weniger günstig als in dem Jahr-zehnt 1855" bis 1865. Was zunächst die eigentliche Handelsbilanz an-langt, so befindet sich Knapp durchaus im Irrtum, wenn er schreibt:Indien produziert auch nicht solche Massen von Handelswaren, dienach England Absatz finden, hinreichend um den englischen Waren,die in Indien verkauft werden, das Gleichgewicht zu halten. Viel-mehr muß Indien,' auch abgesehen von dem, was die Regierung tut,Rupien anbieten, um englische Waren zu kaufen." (a. a. 0., S. 236.) DasGegenteil ist richtig: Indien hatte in der ganzen Periode des rückläufigenRupienkurses einen geradezu kolossalen Ausfuhrüberschuß, der von1866 bis 1893 im Jahresdurchschnitt auf mindestens 250 Millionen Rupienveranschlagt werden kann. Die gewaltigen Forderungen Indiens andas Ausland, die sich aus dem Aktivsaldo seiner Handelsbilanz ergaben,wurden auch durch die Wirkungen seiner unbestreitbar vorhandenen Ver-schuldung an England nicht annähernd im ganzen Umfange paralysiert.Diese Verschuldung kam zum Ausdruck in der Begebung der Council-Bills.Wie sehr diese Begebungen hinter dem Überschusse der Warenausfuhr inder kritischen Zeit zurückblieben, zeigt die folgende Zusammenstellung 1 ):

1) Siehe auch meineReform des deutschen Geldwesens nach der Gründung desReiches", II. Band, S. 372, Tabelle II.