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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
456
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4 56 Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.

Perioden(Jahresdurch-schnitte)

Indiens Mehraus-fuhr von Waren

1000 Kupien

Betrag der ver-kauften Couneil-Bills1000 Kupien

Uberschuß derMehrausf. über d.Begeb. v.C.-Bills1000 Rupien

Mehreinfuhr vonSilber

1000 Rupien

1870/711874/751875/761879/801880/811884/851885/86 1889/901890/911894/95

233 350231 430292 310284 660

344 380

120 840151 140195 700190 730234 880

112 51080 29096 610

93 930109 500

30 63170 54260 80696 351112 220

Auch wenn man Indiens Handelsbilanz und seine Verschuldungan England zusammenfaßt, blieb also für Indien stets noch ein be-trächtlicher Saldo von Forderungen an das Ausland übrig, der ce-teris paribus zu einer Steigerung der Wechselkurse hätte führenmüssen und der tatsächlich zu einem fortgesetzten Export von Silbernach Indien geführt hat. Wenn statt der Steigerung des Rupien-kurses, die sich aus denpantopolischen Verhältnissen" Indiens hätteergeben müssen, gleichwohl ein empfindlicher Eückgang der Rupieeingetreten ist, so ist das nur daraus zu erklären, daß die Gesamt-heit der auf den Silberpreis drückenden Faktoren stärker war, alsdie von der indischen Zahlungsbilanz ausgehende Wirkung; letzterekonnte den Rückgang des Silberpreises nur abschwächen, nicht aberaufhalten und der Rückgang des Silberpreises mußte deshalb den in-dischen Wechselkurs, trotz der sich aus der indischen Zahlungsbilanz er-gebenden Gegenwirkung, herabdrücken. Der Zusammenhang wird be-sonders klar, wenn man die aus dem jeweiligen Stande des Londoner Silberpreises sich ergebende Parität zwischen dem englischen und demindischen Gelde mit dem tatsächlichen Stande des Rupienkurses ver-gleicht. ')

Man kann sagen, daß der Rupienkurs sich im großen Durch-schnitt stets um etwa V2 d über dem sich aus dem jeweiligen Lon-doner Silberpreise ergebenden Schmelzwerte der Rupie gehalten hat.Die indischen Wechselkurse standen also gegenüber der sich aus demjeweiligen Wertverhältnisse zwischen Silber und Gold ergebenden Pari-tät günstig und ermöglichten auf diese Weise die großen Silberimporte.Dies bestätigt, daß an sich die indischen Wechselkurse auf Grund derindischen Zahlungsbilanz nach oben strebten und sich jeweilig so hochhielten, als es der aus anderen und gewichtigeren Gründen sinkendeSilberpreis gestattete. Wäre z. B. in jener Zeit die Silberproduktion,statt erheblich zu steigen, zurückgegangen, sodaß sie zur Befriedigungdes monetären Silberbedarfs Indiens nur knapp ausgereicht hätte, so

1) Eine ausführliche Statistik, die allerdings erst mit dem Jahre 1890 beginnt,findet sich bei Arnold, Das indische Geldwesen unter besonderer Berücksichtigungseiner Reform seit 1893. Jena 1906. S. 330.