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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.
Beweiskraft; niemand konnte vernünftigerweise erwarten, daß dieWirkung der Einstellung der Silberprägungen auf den Rupienkurssich sofort in vollem Umfange äußern würde, und außerdem habengerade in der unmittelbar an den entscheidenden Schritt anschließendenZeit besondere Verhältnisse der indischen Zahlungsbilanz der Steige-rung des Rupienkurses entgegengewirkt. Das Jähr 1893/94 hattemit 295 Millionen Rupien einen nicht unerheblich geringeren Ausfuhr-überschuß als die beiden Vorjahre mit 387 und 403 Millionen Rupien,und im Jahre 1895, das eine Erhöhung des Ausfuhrüberschusses auf353 Millionen Rupien aufwies, ging die Regierung mit der Begebungvon Council-Bills in einem bis dahin unerhörten Umfange vor; dieBegebungen betrugen 310 Millionen Rupien und absorbierten mithinnahezu den ganzen Aktivsaldo der Handelsbilanz. Die ganz exzep-tionelle Gestaltung der indischen Zahlungsbilanz in jenem Jahre zeigtesich auch darin, daß Indien damals eine Mehrausfuhr von Gold undzwar in Höhe von 50 Millionen Rupien zu verzeichnen hatte, ein. Fall, der — soweit die indische Handelsstatistik zurückreicht — nurzweimal, und in viel bescheidenerem Umfange, vorgekommen war.
Alles in allem beweist also gerade die Kursgestaltung, der indischenWährung vor und nach der Einstellung der Silberprägung, daß derindische Wechselkurs auf Grund des Verhältnisses der indischen Zah-lungsbilanz nahezu kontinuierlich nach oben strebte, daß jedoch dieWirkung dieser Tendenz auf den Silber preis durch andere, stärkereFaktoren überwogen wurde und daß infolgedessen die effektive Ge-staltung des indischen Kurses bis zur Einstellung der Silberprägungunter dem Drucke des Silberpreises stand, wie dieser sich jeweilig auseiner Gesamtheit von Faktoren ergab, unter denen die indische Zah-lungsbilanz nur ein einzelner und nicht ausschlaggebender war.
Auch abgesehen von dem hier im Anschluß an Knapp etwas aus-führlicher behandelten Beispiele zeigt sich der tatsächliche Zusammen-hang, sobald man eine Vielheit von Silberwährungsländern mit ver-schiedener Gestaltung der Zahlungsbilanz zur Voraussetzung nimmt.Wir können in diesem Falle von der Einwirkung industrieller Fak-toren ganz absehen, und doch ist das Ergebnis, daß die Wertrelationzwischen Silber und Gold, die in dem angenommenen Falle ihrerseitsdas Produkt der sämtlichen, die Zahlungsbilanzen der einzelnen Silber-länder bestimmenden Faktoren ist, den Wechselkurs jedes einzelnenSilberlandes innerhalb der durch die Kosten der Versendung von Silbergegebenen engen Grenzen bestimmt.
Nehmen wir Indien und Mexiko als einzige Silberländer undsetzen wir voraus, daß Indien eine vorzügliche, Mexiko dagegen einemiserable Zahlungsbilanz habe. Der indische Kurs hat dann dieTendenz, zu steigen, der mexikanische hat die Tendenz zu fallen.