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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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9. Kapitel. Die internationale Geldverfassung. § 4.

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Beide Tendenzen wirken fraglos auf den Silberpreis, und zwar inentgegengesetztem Sinne. Wenn die von der indischen Zahlungsbilanzausgehende Wirkung die stärkere ist, so steigt der Silberpreis und mit ihmder mexikanische Wechselkurs, obwohl die mexikanische Zahlungsbilanzan und für sich einen rückgängigen Wechselkurs zur Folge habenmüßte; allerdings steigt der Silberpreis nicht in dem Maße, wie wenndie mexikanische Zahlungsbilanz nicht entgegenwirkte.

Oder, um ein historisches Beispiel zu wählen: im Jahre 1890/91waren die Verhältnisse der indischen Zahlungsbilanz im großen ganzennormal, jedenfalls war in ihnen kein Grund für eine Steigerung derindischen Valuta gegeben. Der indische Ausfuhrüberschuß war mit282 Millionen Rupien geringer als im vorhergehenden und im folgendenJahre mit 342 und 387 Millionen Rupien; die Begebung von Council-Bills hielt sich mit 212 Millionen Rupien ungefähr auf dem durchschnitt-lichen Betrage. Während mithin die Verhältnisse der indischen Zah-lungsbilanz für sich genommen zur Folge hätten haben müssen, daß derRupienkurs im Jahre 1890/91 sich niedriger gestellt hätte als in demvorhergehenden und folgenden Jahre, ist die umgekehrte Entwicklungeingetreten: der Rupienkurs stellte sich 1890/91 durchschnittlich aufetwas über 18 d gegen 16,57 und 16,73 in den Jahren 1889/90 und1891/92; vorübergehend ging im Jahre 1890/91 der Rupienkurs sogarauf 20 29 /32 d, während im Jahre vorher ein Kurs von 16 d verzeichnetworden war und im folgenden Jahre ein Rückgang bis auf ungefähr15 d eintrat. Die Erklärung für diese auffällige, der Gestaltung derindischen Zahlungsbilanz durchaus widersprechende Entwicklung desRupienkurses lag einzig und allein in der Münzgesetzgebung der Ver-einigten Staaten (ShermanbÜl), die im Jahre 1890 eine gewaltigeHaussespekulation in Silber hervorrief. Der Rupienkurs aber, dernach der Gestaltung der indischen Zahlungsbilanz eher hätte sinkenmüssen, wurde von dem aus anderen Gründen steigenden Silberpreiseeinfach mit in die Höhe gerissen.

Es ist also klar: einerlei, wie man die industriellen und diemonetären Bestimmungsgründe des Silberpreises bewerten mag, so istdoch für jedes einzelne Silberwährungsland der jeweilige Silberpreis,auf dessen Gestaltung die Zahlungsbilanz dieses Silberlandes eine ge-wisse, aber jedenfalls nicht allein entscheidende Einwirkung hat, inner-halb des uns bekannten engen Spielraumes absolut bestimmend fürdie Kursgestaltung seines Geldes. Der jeweilige Silberpreis, der dasProdukt einer Vielheit von sich teils verstärkenden, teils entgegen-wirkenden Faktoren ist, bedingt einen Gleichheitspunkt in demVerhältnisse von Gold- und Silbervaluten, von dem die effektiven Kursenur innerhalb der bekannten engen Grenzen unter dem unmittelbarenEinflüsse der Zahlungsbilanz abweichen können.