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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geld Verfassung-.
§ 5. Die Valutaschwaukungen im Verhältnisse zwischen freien Wahrungen,
Im vollen Gegensatze zu den zwischen gebundenen Währungenbestehenden Beziehungen steht das Verhältnis der freien Währungen zuden ausländischen Geldsystemen. Da bei diesen Währungen der Wert desGeldes nicht mit einem dritten Gute verbunden ist, haben alle die-jenigen Einflüsse, welche bei den gebundenen Währungen nur die durchdie Ein- und Ausfuhrpunkte für Edelmetall begrenzten unbedeutendenWechselkursschwankungen um die Parität bewirken können, bei denfreien Währungen für die Wertgestaltung der Valuta einen sehr vielgrößeren Einfluß; sie bewirken hier Schwankungen von vielen Pro-zenten, während sie dort nur Schwankungen von wenigen Promillenhervorrufen können. Während ein vollwertiges Geld jederzeit einge-schmolzen und bei gleicher Währungsgrundlage durch Umprägung oder,wenn Gold- und Silberwährung sich gegenüberstehen, durch Verkaufdes gewonnenen Barrenmetalls in das Geld des anderen Landes mitverhältnismäßig geringen Kosten umgewandelt werden kann, kannein Papiergeld weder a'ls bloßer Stoff verwendet, noch in das Geldeines anderen Landes umgewandelt werden, und damit ist theoretischdie Möglichkeit seiner totalen Entwertung gegenüber dem Gelde andererLänder gegeben. Während ferner bei gebundenen Währungen dasWährungsmetall oder das vollwertige Geld der fremden Länder mit gleicherWährungsgrundlage im Wege der freien Ausprägung jederzeit in in-ländisches Geld verwandelt werden kann, wodurch dem Steigen derinländischen Valuta ein Riegel vorgeschoben ist, kann die Valuta einesLandes, das für keines der Metalle freie Prägung kennt, im Falleeiner nicht zu deckenden Nachfrage nach Zahlungsmitteln für das be-treffende Land ins ungemessene steigen. Bei denjenigen freienWährungssystemen, bei welchen der Wert des Geldes nur nach oben odernur nach unten begrenzt ist oder nach oben und unten weit auseinanderliegende Grenzen hat, ist wenigstens innerhalb dieses erheblichen Spiel-raums die Möglichkeit großer Valutaschwankungen gegeben. Dieseunbegrenzte oder innerhalb weiter Grenzen gegebene Schwankungs-möglichkeit besteht nicht nur gegenüber gebundenen Valuten, sondernnatürlich auch im gegenseitigen Verhältnisse von freien Valuten. Denndie Wertbewegung einer freien Valuta hat ihre Bestimmungsgründe je-weils in Faktoren, die nur das eigene Land betreffen; die Nachfragenach Zahlungsmitteln für das Papierwährungsland Argentinien kanninfolge großer Getreideexporte eine starke sein und die argentinischeValuta heben, während gleichzeitig das Papierwährungsland Brasilien in-folge gedrückter Kaffeepreise einen Rückgang seiner Valuta* erfahrenkann.
Zu den Schwankungen der Zahlungsbilanz treten bei den freienValuten, namentlich hei den Papierwährungen, noch einige andere