462
Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.
bilanz, dargetan, während andrerseits einige charakteristische Unter-brechungen dieses Zusammenhangs auf die Einwirkung der politischenVerhältnisse zurückgehen.
§ 6. Die Begulieruny der Valutakurse.
Im gegenseitigen Verhältnisse der gebundenen Währungen desgleichen Metalls liegen die Paritäten ex institutione fest, und der engeSpielraum um die Parität, innerhalb dessen die Kurse des effektivenGeldes oder der Wechsel und Schecks schwanken können, ist durchbestimmte, der Kalkulation unterliegende Faktoren gegeben.
Ähnliches gilt für das Verhältnis zwischen gebundenen Währungenverschiedenen Metalls, nur daß hier die Paritäten sich nicht ohneweiteres aus den beiderseitigen Geld Verfassungen ergeben, sondern aüfGrund der Geldverfassungen nach dem jeweiligen Silberpreise berechnetwerden müssen.
In beiden Fällen ist für eine staatliche Einwirkung auf die Wechsel-kurse, abgesehen von derjenigen, welche sich aus der Einrichtung undAufrechterhaltung der Geldverfassung selbst ergibt, nur ein beschränkterSpielraum vorhanden. Soweit eine Einwirkung stattfindet, geht siemeistens von den großen Notenbanken aus, denen die Sorge für dieRegelung des Geldumlaufs übertragen ist. Wir haben bereits gesehen,daß diese Notenbanken durc?h die Festsetzung der An- und Verkaufs-preise für Goldbarren und fremde Goldmünzen, sowie durch die Ge-währung von zinsfreien Vorschüssen auf Goldlieferungen einen gewissenEinfluß auf die Kurse, bei denen die Einfuhr oder die Ausfuhr vonGeldmetall lohnend wird, und mithin auf die Größe des Spielraums derSchwankungen der Wechselkurse ausüben können. Ferner ist inner-halb dieses Spielraums eine Beeinflussung der Bewegungen der Wechsel-kurse möglich durch andere bankpolitische Maßnahmen vor allem durchdie Regelung des Diskontsatzes und durch die. sogenannte Devisen-politik, d. h. die planmäßige Handhabung von Aufnahme und Abgabeausländischer Wechsel. Die näheren Ausführungen müssen dem II. Bandedieses Werkes vorbehalten bleiben, da sie nur in Verbindung mit einereingehenden Behandlung des Bankwesens möglich sind. Hier sei nurangedeutet, daß der Diskontsatz einer großen Notenbank, soweit erden allgemeinen Zinssatz des betreffenden Landes für kurzfristigenKredit beeinflußt, eine gewisse Wirkung auf die internationalen Edel-metallbewegungen ausübt; ein relativ hoher Zinssatz, der die Anlagevon Geld in dem betreffenden Lande rentabel erscheinen läßt, erhöhtdie Nachfrage nach dem Gelde dieses Landes und beeinflußt dadurchdie Wechselkurse in günstigem Sinne. Wenn ferner eine Notenbankin Zeiten eines niedrigen Kursstandes ausländischer Wechsel einen