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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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466
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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.

Einlösung zu schicken, das erhaltene ausländische Geld bei der Zentral-bank zum festen Satze gegen Gold umzutauschen, das Gold nach demInlande kommen zu lassen und es dort bei der Zentralbank zumfesten Satze gegen inländisches Geld umzusetzen. Der ausländischeWechsel kann ihm also in inländischem Gelde nur soviel weniger alsdie Parität bringen, wie die Kosten der verschiedenen Operationenbetragen.

Knapp hat Recht: Gold in England ist nicht unbedingt wertgleichmit demselben-Quantum Gold in Deutschland . Aber er hat Unrecht,wenn er die enge Wertbeziehung zwischen Gold in England und Goldin Deutschland leugnet. Gold in England kann nur um die minimalenKosten der Versendung höher oder niedriger bewertet werden 1 alsGold in Deutschland; dies ist der wichtigste Grund, aus dem erstensdie Wechselkursschwankungen zwischen gleichmetallischen, gebundenenWährungen möglich sind, und zweitens für diese Schwankungen dieleicht berechenbaren Grenzen oberhalb und unterhalb der Paritätbestehen.

Infolgedessen ist es theoretisch und praktisch gleich unmög-lich, zwischen zwei Ländern mit der gleichen gebundenen Währungeine andere als die aus den beiderseitigen Geldverfassungen ohneweiteres gegebene Parität aufzustellen und aufrecht zu erhalten.Wenn die deutsche Regierung bei unveränderter deutscher und eng-lischer Geldverfassung als Parität zwischen dem deutschen und eng-lischen Gelde den Kurs von 30 Mark (statt 20,43 Mark) pro Pfd. Sterl. auf-stellen wollte, so wäre das ebenso verrückt und ebenso wenigdurchführbar, wie wenn sie für je etwa 20,43 Mark einen Betrag von30 Mark zu zahlen sich verpflichten wollte; denn sie würde sich be-reit erklären müssen, alle ihr angebotenen Wechsel auf England oderenglischen Geldsorten mit 30 Mark pro Pfd. Sterl. zu bezahlen, während sieaus dem in je einem Pfd. Sterl. enthaltenen oder dafür zu beschaffendenGoldquantum nur etwa 20,43 Mark deutschen Geldes würde herstellenkönnen. Analog würde sich die Sache bei Aufstellung eines unterhalbder Münzparität' 1 liegenden Pari stellen. Wenn ein Pari von 15 Markfür 1 Pfd. Sterl. verwirklicht werden sollte, so müßte die deutsche Regierungfür je 15 Mark 1 Pfd. Sterl. liefern, während sie ihrerseits das Pfd. Sterl. nurzu etwa 20,43 Mark würde beschaffen können. In beiden Fällen würdesich eine Schraube ohne Ende zur Auspumpung desjenigen Staates ent-wickeln, der eine theoretisch so widersinnige und praktisch so unmög-liche Geldpolitik versuchen wollte.

Wenn wir es ablehnen, Knapp auf diesen Wegen zu folgen, undwenn wir daran festhalten, daß im Verhältnisse zwischen gebundenenWährungen die Parität ohne weiteres aus den beiderseitigen Geldver-fassungen sich ergibt, so soll damit nicht geleugnet werden, daß auch