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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
467
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9. Kapitel. Die internationale Geldverfassung. § 7. 467

bei gebundenen Währungen bankpolitische und gelegentlich auchfinanzpolitische Maßnahmen von Wichtigkeit sein können, aber dieseerstrecken sich nicht unmittelbar auf die Verwirklichung der Paritätenzu anderen Valuten, sondern auf die Erhaltung der eigenen Währungs-verfassung, durch die ganz von selbst auch die Kursverhältnisse zuden ausländischen Währungen gegeben sind, soweit diese auf gleichenGrundlagen beruhen. Der hier in Betracht kommende Kreis vonMaßnahmen kann, wie bereits erwähnt, nur im Zusammenhang miteiner Darstellung des Bankwesens durchgreifend erörtert werden.

§ 7. Die Idee der internationalen Münzeinheit.

Das Ergebnis unserer Untersuchung über das gegenseitige Ver-hältnis der einzelnen nationalen Währungen ist, daß nur zwischenden gebundenen und auf dem gleichen Edelmetalle beruhendenWährungen eine den Bedürfnissen des internationalen Verkehrs ent-sprechende, nur minimalen Schwankungen unterliegende Beziehung be-steht, während im gegenseitigen Verhältnisse von Gold- und Silber-währungen, sowie im Verhältnisse von gebundenen und freien Währungenund zwischen freien Währungen unter einander die Möglichkeit vonheftigen und im voraus nicht zu berechnenden Schwankungen ge-geben ist. Aber auch die geringfügigen Kursschwankungen zwischenden gleichen gebundenen Währungen, ferner die Unbequemlichkeiten,die aus der Verschiedenheit der Geldeinheiten eines und desselbengebundenen Währungssystems entstehen, die Beschränktheit derGültigkeit des Geldes der einzelnen Länder auf ihr staatliches Terri-torium und die Notwendigkeit, im internationalen Verkehr das Gelddes einen Landes gegen das Geld des anderen Landes umzusetzen, allediese im Verhältnis zu den großen Valutaschwankungen geringfügigenUnbequemlichkeiten sind schon frühzeitig als ein Nachteil empfundenworden.

Aus solchen Wahrnehmungen erklären sich die zu verschiedenenZeiten mit wechselnder Stärke aufgetretenen Bestrebungen, diedarauf hinausgingen, aus dem Nebeneinander verschiedener nationalerGeldverfassungen eine einheitliche internationale Geldverfassung zuschaffen. Ein einheitliches Weltgeld erscheint rein theoretisch in derTat als die letzte Konsequenz desjenigen Erfordernisses des Geldes,welches mit gebieterischer Notwendigkeit zu einem einheitlichennationalen Gelde geführt hat, nämlich des möglichst weiten Geltungs-bereichs. Namentlich in Zeiten eines großen Aufschwungs des Welt-verkehrs hat sich der Wunsch nach einem einheitlichen Weltgelde leb-haft geregt,, Weitaus am stärksten sind die auf eine Weltmünzeinheit-gerichteten Bestrebungen in den Jahren 1860 bis 1870 hervorgetreten,im deutlichen Zusammenhange mit den Wirkungen der verbesserten

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