478 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
Geldbedarfs einer Volkswirtschaft. Sie übersehen, daß die Geldmenge,welche bei Zahlungen jeweilig zur Verwendung gelangt, nur einen Teil,ja einen relativ geringen Teil der einem Volke nötigen Barmittelbildet, ein anderer dagegen in der Form von Reserven mancherleiArt für die Sicherstellung ungewisser, in zahlreichen Fällen tatsäch-lich überhaupt nicht stattfindender Zahlungen (im Interesse der unge-störten Funktion der Volkswirtschaft!) bereit gehalten werden muß.Die im Metallschatze der Zettelbanken, in den Kassen des Staatesund öffentlicher Körper, der Sparkassen, der Kreditinstitute, insbeson-dere aber auch der Privatwirtschaften befindlichen, nur für einen un-gewissen Bedarf, für seltene und ungewöhnliche Gefahren, ja zumTeil nur für äußerste Fälle bereit gehaltenen Bestände von Barmittelnbilden, obzwar für Zahlungen regelmäßig nicht in Anspruch genommen,doch ebensowohl einen Teil des Geldbedarfs einer Volkswirtschaftwie die im Besitze jeder Wirtschaft befindlichen kleinen Beträge vonScheidemünzen, welche mehrmals im Tage ( aus einer Hand in die an-dere übergehen. Auch die von Privaten und, zum Teil selbst gegen-wärtig noch, von einzelnen öffentlichen Wirtschaften thesauriertenGeldsummen sind hierher zu rechnen, da sie bei Berechnung desGeldbedarfs eines Volkes während bestimmter Perioden mit in Be-tracht gezogen werden müssen, trotzdem sie in den Zahlungsgeschäftender betreffenden Zeitperiode regelmäßig keine Verwendung finden.Der Geldbedarf einer Volkswirtschaft findet, ähnlich wie derjenigeder einzelnen Privathaushalte, in den Zahlungen, welche innerhalbeiner bestimmten Periode bzw. „gleichzeitig" zu leisten sind, selbstwenn das höchste Ausmaß derselben der Berechnung zugrunde gelegtwird, entfernt nicht den richtigen Ausdruck".
Nach Menger vermag zu einer der realen Sachlage entsprechendenTheorie des Barmittelbedarfs einer Volkswirtschaft nur eine Unter-suchung zu führen, welche von dem. Barmittelbedarf der Einzel- undder Gemeinwirtscbaften, aus denen sich die „Volkswirtschaft" zu-sammensetzt, ihren Ausgang nimmt. Der Geldbedarf einer Volkswirt-schaft sei der Inbegriff der durch die Einzel- und Gemeinwirtschafteneines Volkes beanspruchten Geldbestände, in deren Gesamtheit er so-mit sein letztes Maß finde.')
Noch weit radikaler hat Hildebrand 2 ) die bezeichnete Theorie
1) In der 3. Auflage des Handwörterbuchs hat Menger noch den Satzhinzugefügt: „Der Geldbedarf einer Volkswirtschaft ergibt sich indes nichtaus einer mechanischen Summierung des Barmittelbedarfs der einzelnen Wirt-schaften. Es müssen hierbei auch die Funktionen einerseits der Münzgeld erset-zenden, andrerseits der Bargeld ersparenden Institutionen der Volkswirtschaft mitin Betracht gezogen werden."
2) Die Theorie des Geldes. Jena 1S83. S. 33 ff.