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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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480
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480 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert-

zeitig, auszuführenden Zahlungen, oder aber, insofern es sich darumhandelt, den Maximalbedarf an Geld innerhalb eines ganzen Zeitraums,z. B. eines Jahres, festzustellen, nach dem höchsten Gesamtbetrage,den die gleichzeitig auszuführenden Zahlungen innerhalb dieses Zeit-raumes daselbst erreichen können". Dabei macht Hildebrand aberdie Einschränkung, es sei bei dieser seiner Theorie stillschweigendvorausgesetzt, daß alle Zahlungsverbindlichkeiten in bar zu begleichenseien, während in Wirklichkeit gerade bei der Konzentration der Zah-lungen auf bestimmte Zeitpunkte und Plätze oder Institute an Stelleder baren Begleichung eine umfangreiche Kompensation der Zahlungs-verbindlichkeiten stattfinden könne, wodurch der Geldbedarf ent-sprechend verringert werde.

§ 2. Die wirklichen Bestimmungsgründe des Geldbedarfs.

Eine genauere Betrachtung sowohl der sogenanntenherrschendenTheorie" als auch der Einwendungen Mengers und Hildebrands, dieich hier als besonders charakteristisch angeführt habe, ergibtfolgendes:

Als der erste und grundlegende Faktor für die Größe des Geld-bedarfs einer Volkswirtschaft ist der Umfang der durch Geld zu ver-mittelnden Übertragungen anzusehen, und zwar sowohl der ein-seitigen als auch der doppelseitigen Übertragungen, also sowohl derTauschvorgänge als auch der Zahlungen im engeren Sinne und dersich in Geld vollziehenden Kapitalübertragungen.

Fraglich kann erscheinen, ob das Geld auch in seinen übrigenFunktionen Gegenstand eines bestimmten und bestimmbaren Bedarfesist. In seiner Funktion als Wertmaßstab ist das Geld offenbar keinGegenstand eines bestimmten Bedarfes; um den Wert eines Gutes inGeld auszudrücken, muß zwar das Geld überhaupt existieren, aber esist für diesen Zweck gänzlich gleichgültig, in welcher Menge ^sexistiert.

Schwieriger ist die Frage, in wieweit nach dem Gelde als Wert-träger durch Zeit und Raum eiu bestimmter Bedarf besteht. Dieselbständige Funktion des Geldes als Werttransportmittel ist, wie im1. Kapitel des theoretischen Teiles dargestellt worden ist, von sogeringer Bedeutung, daß sie hier füglich außer Acht gelassen werdenkann; wirklich in Frage kommt nur der Bedarf an Geld zu Thesau-rierungszwecken. Wenn man nun, dem Hinweise Mengers folgend,die kleinen und großen Geldbestände, die in einer Volkswirtschaftvon den privaten Haushaltungen und Unternehmungen, von den Bank-instituten und den Staatskassen angesammelt und unterhalten werden,näher ins Auge faßt, dann drängt sich von selbst die Unterscheidungauf zwischen Geldbeständen, die gänzlich müßig und unausgemitzt