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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
482
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482 Zweites Buch. IV. Abschnitt Geldbedarf, Geld Versorgung und Geldwert.

raumes dem höchsten Gesamtbetrage, den die gleichzeitig auszuführendenZahlungen innerhalb dieses Zeitraumes erreichen? Oder aber hatMengbb Eecht, der neben dem Bedarfe für die jeweils tatsächlich zuvermittelnden Übertragungen einen Bedarf an Geld für Reservenund Kassenvorräte aller Art anerkennt?

Die Fragestellung allein schon enthält auf den ersten Blick eineBeantwortung zugunsten Mengers; denn niemand wird behauptenkönnen, daß die in einem gegebenen Augenblicke ruhenden Kassen-vorräte für die Volkswirtschaft überflüssig sind. Was Hii-debbahdals Zeitpunkt der Zahlungen dem Zeiträume gegenüberstellt, das isteben nicht minder eine Abstraktion, wie die von ihm so hart kritisierteZirkulattonsgeschwindigkeit" des Geldes. Eine Konzentration derZahlungen auf einen und denselben Augenblick kann nicht ernsthafteiner Untersuchung zugrunde gelegt werden; sobald aber die Zah-lungen, von denen man sagt, daß siegleichzeitig" zu leisten sind,sich auf einen, wenn auch noch so kurzen Zeitraum verteilenetwa auf eine Stunde oder einen Tag, dann tritt wieder das Momentin Erscheinung, das Hildebeand aus seiner Untersuchung gänzlichausschalten will, daß nämlich ein und dasselbe Geldstück zu mehrerenZahlungen benutzt werden kann. Der Geldbedarf einer Stunde odereines Tages wird mithin unter Umständen kleiner sein können, alsdie Gesamtsumme der innerhalb der Stunde oder des Tages zu leisten-den Zahlungen, auch wenn man von jeder Kompensation der zuleistenden Zahlungen absieht.

Nach der anderen Seite hin kommen wir zu folgender Erwägung:Wenn an einem Tage ein bestimmter Betrag von Zahlungen zu leistenist, der als solcher den Höchstbetrag innerhalb eines Jahres darstellt,so kann dieser Betrag als Höchstbetrag des Bedarfes der Volkswirt-schaft an Geld zu Zahlungszwecken nur dann angesehen werden, wenndie am nächsten Tage zu leistenden Zahlungen jeweils mit denselben Geld-stücken geleistet werden können, die bereits am Tage zuvor zur Zah-lungsleistung gedient haben. Wenn in einem gegebenen Zeitpunkte100 Millionen Mark zu zahlen sind, am folgenden Tage nur 50 Mil-lionen Mark, jedoch von Leuten, die am ersten Tage keine Zahlungenempfangen haben, so müssen wenn nicht ganz bestimmte Voraus-setzungen bestehen, von denen gleich zu sprechen ist bereits amersten Tage sich 50 Millionen Mark in den Kassen der Leute, die amzweiten Tage zu zahlen haben, als bereite Bestände befinden; derHöchstbetrag des Geldbedarfs der Volkswirtschaft ist dann nicht 100Millionen, sondern mindestens 150 Millionen Mark. Der Fall, den dieHiiiDEBEANDSche Theorie als selbstverständlich voraussetzt, daß näm-lich in dem zweiten Zeitpunkte dieselben Geldstücke zur Zahlungs-leistung in Bewegung gesetzt, werden, die schon im ersten Zeitpunkte