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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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10. Kapitel. Der Geldbedarf. § 2.

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zur Zahlungsleistung gedient haben, kann nur unter zwei Voraus-setzungen eintreten; entweder müssen die Zahlungen des zweitenZeitpunktes von denselben Personen und Unternehmungen zu leistensein, die im ersten Zeitpunkte hinreichend große Zahlungen empfangenhaben, oder aber das für die Leistung der Zahlungen des zweitenZeitpunktes nötige Geld muß den Zahlungspflichtigen auf dem Wegedes Kredits von denjenigen zur Verfügung gestellt werden, welche imersten Zeitpunkte Zahlungen erhalten haben. Soweit die beiden Voraus-setzungen nicht zutreffen, kann kein Zweifel obwalten, daß die amzweiten Zeitpunkte zur Zahlung Verpflichteten bereits im ersten Zeit-punkte einen ruhenden Geldvorrat besitzen müssen, und daß andrer-seits die Zahlungsempfänger des ersten Tages ihr Geld am zweitenTage müßig im Kasten liegen sehen. '

Kann man nun den Bedarf an Geld für Zahlungen, die an einemspäteren Zeitpunkte zu leisten sind, oder die kraft der besonderenNatur des ihnen zugrunde liegenden Schuldverhältnisses zu einemjeden Zeitpunkte gefordert werden können, dem Bedarfe an Geld fürdie jeweilig effektiv zu leistenden Zahlungen als etwas Verschiedenesgegenüberstellen? Läßt sich, mit anderen Worten, der Bedarf anZahlungsmitteln im Buhezustande von dem Bedarfe an Zahlungsmittelnin Bewegung überhaupt unterscheiden ? Meines Erachtens nicht; viel-mehr leitet eine genauere Prüfung dieser Frage zu einem Probleme,das mit dem Probleme der Zirkulationsgeschwindigkeit des Geldes ver-wandt ist, ohne sich mit ihm ganz zu decken.

Wenn wir soeben gesehen haben, daß die in einem bestimmtenZeitpunkte zu leistenden Zahlungen nicht ausschließlich bestimmendsind für den Geldbedarf einer Volkswirtschaft, daß sich dieser viel-mehr auch auf das in späteren Zeitpunkten für die tatsächlich odermöglicherweise zu leistenden Zahlungen notwendige Geld erstreckt, soergibt sich daraus, daß ein größerer Zeitraum der Ermittelung desGeldbedarfs zugrunde zu legen ist. Dann aber ist neben dem Bedarfean Geld für Zahlungszwecke nicht auch noch ein Bedarf an Geld zuKeserve- oder Thesaurierungszwecken anzuerkennen; denn ein solcherBedarf besteht eben nur insoweit, als das Geld innerhalb eines größerenZeitraums zu Zahlungszwecken tatsächlich oder möglicherweise be-nötigt wird. Die in einem gegebenen Augenblicke jeweilig ruhendenBarvorräte werden um so größer sein müssen, je geringer nichtetwa dieZirkulationsgeschwindigkeit des Geldes" ist; es handelt sichhier um einen viel weiteren Begriff, sondern je geringer die Inten-sität der Ausnutzung des Geldes ist, von der die Zirkulations-geschwindigkeit nur einen Teil darstellt, aber immerhin einen Teil.

Wenn die Zahlungen eines zweiten Zeitpunktes ganz oder zumgrößeren Teile mit denselben Geldstücken geleistet werden können, wie

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