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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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484
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484 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

diejenigen des eisten Zeitpunktes, so brauchen im ersten Zeitpunktenicht in demselben Umfange ruhende Kassenvorräte vorhanden zu sein,wie wenn die Zahlungen des zweiten Zeitpunktes ganz oder vor-wiegend mit anderen Stücken geleistet werden müßten; der Geldbedarfder Volkswirtschaft ist im ersteren Falle ein geringerer, weil dieIntensität der Benutzung des Bargeldes in diesem Spezialfälle gleich-bedeutend mit der Zirkulationsgeschwindigkeit eine größere ist.

Wie oben auseinandergesetzt wurde, kann in diesem Falle dieerhöhte Zirkulationsgeschwindigkeit des Geldes und mithin der ge-ringere Geldbedarf darauf beruhen, daß dieselben Einzelwirtschafteninnerhalb der Volkswirtschaft in rascher Folge Zahlungen zu emp-fangen und zu leisten haben. In diesem Punkte verhalten sich nundie verschiedenen Einzelwirtschaften innerhalb einer Volkswirtschaftkeineswegs gleichmäßig. Wir haben nebeneinander den Tagelöhner,der Tag für Tag, den Arbeiter, der Woche für Woche seinen Lohnempfängt und verausgabt; in diesen Haushaltungen können sich,soweit man von erheblicheren Ersparnissen absieht, niemals größereKassenvorräte ansammeln. Anders steht es schon beim Beamten, dervierteljährlich sein Gehalt bezieht; wenn wir hier gleichfalls vonErsparnissen und andrerseits auch von der vorübergehenden Nutzbar-machung der überschüssigen Bestände absehen, so finden wir in diesenHaushaltungen zu Beginn der Vierteljahre größere Kassenbestände,die sich bis zum Ende des Quartals langsam aufzehren; diejenigen Geld-stücke, welche in der letzten Woche des Quartals zu Zahlungenbenutzt werden, haben während des ganzen Quartals müßig in derKasse gelegen. Dieselben Unterschiede, wie sie sich an die ver-schiedenen Termine des Zahlungsempfangs der Einzelwirtschaften, z. B.als Entlohnung persönlicher Arbeitsleistungen, anschließen, stellen sichauch ein hinsichtlich der Termine der von den Einzelwirtschaften zuleistenden Zahlungen. Wo jährliche Zins- und Pachtzahlungen zumachen sind, müssen die für diese Zwecke notwendigen Summen inden Einzelwirtschaften allmählich angesammelt werden; dadurchwerden größere Summen der eigentlichen Zirkulation entzogen, alsdurch gleich große Ausgaben, die sich gleichmäßiger über das Jahrverteilen. Ähnliche Unterschiede beobachten wir bei ganzen Gruppenvon wirtschaftlichen Unternehmungen. Die Landwirtschaft hat ihregroße Einnahmezeit im Herbste nach der Ernte. Bei den Industriendagegen verteilen sich die Einnahmen auf das ganze Jahr, freilichwohl bei keiner Industrie gleichmäßig; Absatzzeiten und Zahlungs-termine hängen auch hier in großem Umfange vom Wechsel derJahreszeiten ab, so insbesondere bei den Bekleidungsindustrien; aberim großen ganzen ist der Pulsschlag von Einnahmen und Ausgabenein lebhafterer und regelmäßigerer als bei den landwirtschaftlichen